Gott, das Wort hören
Serie: Ein brennendes Herz für Gott | Bibeltext: Kolosser 3,16a
Ich möchte heute etwas von dem weiterzugeben, was mir innerhalb der letzten knapp 2 Jahren in diesem Zusammenhang wichtig geworden ist
Bibeltext mit dem wir beginnen, ist Kolosser 3,16:
Gebt dem Wort des Christus viel Raum in euch und lasst es so seinen ganzen Reichtum entfalten! ….
Dazu ein Statement und eine Frage:
- Gott, das Wort hören.
- Was sagt (mir) der Bibeltext, die Schrift?
Da kommen natürlich ein paar Fragen auf:
- Was heisst Wort, ist das die Schrift, Bibel oder …. Woher käme das Wort sonst?
- Wie kann sich sein Reichtum entfalten? Gibt es etwas mehr als Bibellesen?
Wir werden während der Predigt diesen Fragen nachgehen.
und werden sehen, dass es biblisch ist, dass der Bibeltext MIR etwas sagen kann. &
das Wort sich in uns entfalten kann
Wir wissen, bevor wir Christ wurden, haben wir die Bibeltexte kaum oder zumindest schlechter verstanden.
Woran lag das?
Mir scheint wichtig nun zuerst zu Klären, was wir unter ein paar wichtigen Begriffen oder Worten verstehen.
Zum Beispiel sind Bibel, die Schrift und Wort dasselbe sind dies Synonyme?
2. Jesus Christus, das Wort….
Ich habe hier Christus bildlich vor einer Bibel dargestellt.
Ist es also sinngemäss richtig & ist Christus, das Wort und die Bibel dasselbe?
- Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und kann uns lehren, … 2. Tim 3,16, NLB
Aus vorherigen kann zusammengefasst werden:
Christus ist das Wort Gottes,
die Schrift bezeugt ihn und
der Heilige Geist macht das Wort in uns lebendig
Christus, das Wort und somit der heilige Geist sind jedoch mehr als die Schrift.
Das ist wichtig, um das Weitere verstehen zu können.
3. Frage an alle: Was bedeutet die Bibelstelle Joh. 1,4?
Was bedeutet diese Bibelstelle
“Er, das Wort, war zugleich das Leben in Person.
Und das Leben war das Licht für die Menschen.” Johannes 1,4, BB
Wir nehmen uns dazu einen Moment der Stille um dem nachzugehen
4. Jesus Christus, das Wort [Logos]
Das NT vor allem merkt man es dem Johannes Evangelium an, wurde in einem Umfeld geschrieben das vom griechischen Denken (natürlich nicht Religion) beeinflusst war, es ist wie das NT auch auf griechisch geschrieben.
Im griechischen wird für das Wort der Begriff Logos verwendet. Bedeutung; Da versteckt sich viel dahinter….
Also was bedeutet Logos in griechisch und in deren Philosophie.
Bedeutung des griechischen Logos (vorchristlich):
- Sinn ordnend
- Sinn gebend
- Göttliche Vernunft
- Weltgesetz/ Wahrheit
Fangen wir ganz vorne im Johannes Evangelium an. Das sagt schon viel über das Wort aus.
Ein paar Bibelstellen, die mir wichtig geworden sind.
Kurze Zusammenfassungen zu den Bibelstellen
- Christus, das Wort war & ist lebenJoh 1,4
- Aus seiner Fülle kommt GnadeJoh 1,16
- Der Geist lehrt unsJoh 14,26
- Christus, das Wort & der Geist lebt in unsKol 1,27
Man sieht, dass Johannes das griechische Denkmuster anspricht und übernommen hat
Summary für uns wichtig
- Christus, das Wort ist nicht nur ein Wort in unserem Sinne, sondern die Basis für unseren Lebenssinn.
- Als er kam & Fleisch wurde offenbarte Jesus uns das.
- Und wenn wir ihm zuhören, kann er mit uns etwas mitteilen
- Als Christen wissen wir dies, er lebt in uns… aber … haben wir es auch erlebt
Zusammenfassend: das Wort ist nicht nur die Schrift, es ist ganz klar Grundlegend und ist auch heute noch aktiv.
Soweit zu diesem interessanten und predigtfüllenden Thema.
Weiter geht es mit dem Thema Bibellesen, zum Hauptthema heute
5. Lectio – Bibel lesen mit Verstand und Herz
Nun möchte ich auf 2 Arten des Bibellesens & Verstehens eingehen:
1ste Frage: Was bedeutet der Text
- Die klassische sachliche Auslegung, die wir gelernt haben ist, hier „mit dem Verstand lesen“ bezeichnet
So habe zumindest ich gelernt mit dem Text umzugehen.
2te Frage: Was will Gott mir damit sagen?
- Mit dem Herzen hören
Das Wort, Christus kann mir im Geist etwas „wichtig“ machen.
Dies ist eine Sicht, die wir weniger kennen, z.T. ohne uns bewusst zu sein, die macht, dass wir näher angesprochen werden.
Die intellektuelle Bibelauslegung verstandesbasierend, bekam nach der Reformation viel mehr Gewicht.
Der Weg „was will Gott mir sagen“, der wie wir schon in den Schriften der ägyptischen Mönche die in der Wüste gelebt haben, die Wüstenväter Ende 3 Jahrhundert sehen können viel fast weg. Es ist also nichts neues, hatte aber in der nachreformatorischen Zeit, weil es etwas ist das nicht logisch definierbar ist keinen Platz mehr.
Ist daher in Vergessenheit geraten.
Dieser analytische Ansatz wird auch den Reformatoren vor allem Calvin nachgesagt, er wird als sehr intellektuell betrachtet.
Aber schon Calvin hat scheinbar gesagt: Dass er größeren Wert auf das Herz gelegt hat; Herz und Verstand müssen zusammengehen, aber das Herz ist wichtiger.
Dies wurde aber erst vor ca. 25-50 Jahren wieder aufgenommen.
Ob und wie viel wir von Gott hören, hat auch etwas damit
zu tun was wir erwarten und über was für ein Gottesbild wir haben.
Frucht: Das was vom Auslegen und Gottesfrage zusammenkommt.
Wichtig: Das im Herz erhaltene kann der Schrift nicht widersprechen: Prüfet die Geister! Sonst kommt es von der falschen Seite.
Über das was wir während der Bibellese erhalten haben, denken wir natürlich nach.
In der Lectio Divina & Gottesdienst Serie, die wir nun haben ist die Frucht der Bibellese die Basis für die Meditation. Darüber wird Stefan in der nächsten Predigt sprechen
Nun bevor wir uns mehr mit „Mit dem Herzen hören“ beschäftigen, noch zu unserem Gottesbild, wie stehst du zu Gott?
6. Gottesbild
Was haben wir für ein Gottesbild?
→ distanzierter König,
→ strenger Vater
→ unnahbarer, uninteressierter Herr?
Distanzierter König => Gott ist ja weit Weg im Himmel und kaum interessiert an mir
Oder wir werden die ganze Zeit durch Gebote, Unglücke & Krankheiten massgeregelt
Also eben weit weg und hat nichts mit mir zu tun
Oder wie im neuen Testament ersichtlich der liebende Vater des verlorenen Sohnes
…… Er war noch weit weg, da sah ihn sein Vater schon und fühlte Mitleid, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn …….
Da sagte der Vater zu seinen Knechten: Schnell, bringt das beste Gewand …… Holt das Mastkalb, schlachtet es, und wir wollen essen und fröhlich sein! Lk 15,20–23
Ganz klar der Sohn war ein gegenüber für den Vater, jemand mit dem der Vater Gemeinschaft haben will. Also auch mit uns. Bei Gott haben wir ein Zuhause.
Sehen wir ihm Sohn jemand anders der tief gefallen ist, der uns nicht betrifft, oder auch uns?
Wir denken vielleicht wir sind nicht auf diesem Niveau, wir sind besser, implizit leisten etwas.
Vielen ist dies im Herzen noch nicht angekommen, obwohl wir es Wissen: Wir müssen uns oder Gott nichts beweisen.
In unserem, meinem Lebenslauf können wir es teilweise Lesen, wir wollen etwas erreichen, dass vom Glauben her gar nicht relevant ist.
(Wie viele geistliche angesehene Exponenten, auch Bonhoeffer kamen infolge eines falschen Gottesbildeserst später) vom selbst Leisten, zum Annehmen. --> Nur Gnade, die Liebe Gottes
Es ist erstaunlich, wenn man die Lebensläufe dieser Leute betrachtet.
Vom neuen Testament über Augustinus, Johannes vom Kreuz, Ignatius von Loyola dem Gründer der Jesuiten, bis zu Bonhoeffer & Henry Newmann und weniger Bekannten.
7. Das Wort, Christus lebt in uns
“… Und das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch….”
Spüren wir etwas davon?
Das war lange Zeit bei mir nicht der Fall
Vor ca. 3 Jahren fragte ich mich, weil ich meiner Meinung nach zu wenig gespürt habe, ist es das?
Danach habe ich einen theologischen Lehrgang zu diesem Thema begonnen.
Nach einigem lernen und einiger Praxis merke ich nun was.
Eine Frage dazu ist: Sind wir mental zuhause in uns und hören wir ihm zu?
Da das Wort in uns wohnt, geht es um Begegnung in und mit uns
Wenn wir die Bibel/ Schrift lesen, dann geht es nicht primär um Information & Analyse.
Eine Aussage dazu von Dietrich Bonhoeffer:
Gott ist uns innerlich näher, als wir uns selbst oft sind; doch wir sind selten wirklich bei uns. Darum braucht es Einkehr, Stille und hörende Aufmerksamkeit, damit sein Wort in uns Raum gewinnt.
Wie ging es den Jüngern mit dem Aufnehmen vom Wort?
Dazu eine Bibelstelle
8. Das brennende Herz der Emmaus Jünger
Lukas 24,32, BB: Sie sagten zueinander: »Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung, als er unterwegs mit uns redete und uns die Heilige Schrift erklärte?«
Brennendes Herz, kennen wir dies??
Wie kann auch unser Herz beim Bibellesen zum Brennen kommen??
Als er unterwegs mit ihnen redete, brannte das Feuer. Nicht als sie Bibelstelle oder was er gesagt hatte verstanden hatt
“Der Fürsprecher aber, der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.” (Johannes 14,26, ZB 2019)
Erinnern ist etwas blitzartiges implizites, nicht einfach erklärbares
Also: Wenn das Wort/ hl. Geist in unserem Herz redet.
Wie hören wir was. Allermeisten nicht wörtlich, sondern es wird uns, zumindest mir bis anhin:
- Etwas blitzartig klar
- Wichtig
- Etwas lässt uns keine Ruhe
- Etwas klingelt in uns …
Spüren, klar werden, keine Ruhe ….. das deutet darauf hin, dass das dies alles schwierig zu erklären ist.
Dies ist so, seit längerem, seit Urzeiten ein Problem zu erklären, es wird Versucht aber eben, dass muss erlebt werden.
Daher nochmals ein paar Erklärungsversuche:
9. Mit dem Herzen hören
Erklärungsversuche von Kirchenvätern, Mönchen, Theologen
- Das hörende Lesen … führt zu einem in die Tiefe führenden Verweilen an der Stelle, wo etwas zu mir zu sprechen beginnt. Mental etwas wirken lassen
- Bonhoeffer sagte: «Dass wir […] den Text einmal seinem Inhalt nach verstanden haben müssen, ist gewiss, aber wir treiben hier nicht Textauslegung, nicht Predigtvorbereitung, nicht Bibelstudium irgendwelcher Art, sondern wir warten auf Gottes Wort an uns»
Er hatte scheinbar bei seiner Leertätigkeit [Finkenwalde / Predigerseminar] auch Überzeugungsarbeit zu leisten
- Die lectio (Bibellesen) lebt vom geduldigen Brüten über einen kurzen Abschnitt der Heiligen Schrift
Einen kurzen Bibelabschnitt mehrfach mit verschiedener Betonung lesen.
- Wie das Wort eines lieben Menschen dir den ganzen Tag lang nachgeht, so soll das Wort der Schrift unaufhörlich in dir nachklingen und an dir arbeiten
10. Die andere Perspektive
Es geht darum, die Bibel so zu lesen, dass sie uns in die Gegenwart Gottes hineinführt
Nicht als historische Lektüre, sondern als unmittelbare Begegnung mit dem lebendigen Wort.
| Reines Lesen/ Text verstehen | Mit dem Herzen hören, Mit der Erwartung der Begegnung | |
| Ich lese einen Text | Ich begegne Christus | |
| Ich suche Bedeutung | Ich höre eine Stimme | |
| Ich analysiere | Ich empfange | |
Also die Frage, die Sicht ist:
- Was sagt der Text
- Welches Wort, welcher Satz oder welcher Vers bleibt in mir haften oder spricht mich spontan an?
- Was sagt mir der Text
- Vater, was willst du mir heute durch dieses Wort sagen?
- Wer tut was
(Frage nach Personen und Tätigkeitsworten)?
Die Frage stellt sich natürlich: wieso soll es relevant sein, direkt etwas zu hören:
- Es gibt mehrdeutige Texte die versch. Ausgelegt werden können
- Es gibt ein anderes Verständnis und Erfüllung darin
- Ich bin nochmals eine Stufe überzeugter auf diese Art etwas zu erfahren
- Vielleicht bietet dies eine Antwort auf eine Frage, die du noch gar nie gestellt hast
Es geht nicht um das Heil, Vergebung haben wir.
Wie Paulus sagt, wir möchten reifen, weiser werden, Gott näherkommen.
Ich jage ihm aber nach….
11. Nochmals ein Versuch mit dem was wir gehört haben
Kolosser 3,16 NLB: „Gebt den Worten von Christus viel Raum in euren Herzen …….“
Ist etwas anderes im Herzen angekommen?
Gott spricht und berührt leise. Es braucht auch etwas Einstimmung.
Einfacher ist es allein als im Gottesdienst.
Alles ist OK.
- Das ist keine Technik, keine Methode.
- Es ist ein Weg
- Eine Einladung:
- Raum zu geben
- zu hören
- und Christus zu begegnen
Auch die Kirchenväter, Wüstenmönche früher und auch die Gläubigen heute brauchen Zeit zum etwas zu erfahren.
Mönche hatten oder machen dies täglich teilweise Stundenlange.
Für die die mehr davon hören möchten und dies auch erlernen möchten, kommt zu den Workshops über Lectio Divina im Herbst
12. Abschluss
Mit und seit der Wiedergeburt haben wir den heiligen Geist in uns,
Christus lebt in uns! ( Das ist nicht nur Theorie, das ist erlebbar)
Brennt dein Herz?
Wir sind der Tempel
– in ihm geschieht Gott!
Kurzes Summary:
Christus, das Logos ist auch heute noch auf der Erde, in uns aktiv und wirksam
- Christus das Wort, spricht zu uns in unser Herz
- Gott hat uns als Gegenüber geschaffen,
liebt uns und möchte unser Freund sein - Gott möchte mit uns Beziehung haben und Zeit mit uns Verbringen
- Bibellesen nicht nur mit Verstand sondern auch mit dem Herzen!
Eine Folge daraus: Beim Bibellesen Gott fragen wir was er uns damit sagen will
Wie geht es dir damit?
