Gebet: Gemeinschaft mit anderen

Datum: 6. September 2026 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Genesis 2,18

Es gibt so etwas, wie der «soziale Kitt» der Schweiz und der nimmt momentan in der Schweiz ab.[1] Heute reden wir von Me-Time oder Selbstverwirklichung, d.h. jeder schaut für seinen eigenen Vorteil. Und da sind so Sachen wie Gemeindeversammlung, Schulpflege, etc. nicht mehr im Trend. Als ich noch Jungschi-Leiter war, da hatten wir bis zu 100 Kinder an einem Samstagnachmittag, doch das hat nun stark abgenommen. Dort wo man früher in den Turnverein, geht man heute ins Fitnesscenter. Dort wo man sich früher für Spieleabende traf, da trifft man sich heute anonym oder halbanonym im Internet für ein Game.

Schleichend hat sich da in unserer Gesellschaft etwas verändert, nämlich wir verbringen weniger Zeit zusammen. Früher suchte man die Gemeinschaft, heute macht man das lieber individuell – jeder so wie es für ihn oder sie passt.

Und da macht sich Einsamkeit breit, was schmerzhaft ist, weil uns etwas fehlt. Gott sagte es schon im ersten Kapitel der Bibel, «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (Gen 2,18). Wir haben ein inneres Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Beziehungen, und trotzdem sind wir da zurückhaltend geworden. Ja, die Kultur unserer Zeit macht es uns nicht einfach, Beziehungen zu pflegen.

Ist es dir aufgefallen, dass wir in dieser Predigtserie vom Gebet jeweils in der Einzahl gesprochen haben? Das wollen wir mit dieser Predigt klären, denn ja, es beginnt mit dem persönlichen Gebet, hört aber nicht dort auf. Die Freikirchen wurden nämlich auf dem Geist der Kleingruppen gegründet. Man traf sich zum Kaffeekranz, las gemeinsam die Bibel, betete zusammen und tauschte darüber aus, was man im Glauben erlebt. Das begann so im 17. Jahrhundert und gewann im 19. Jahrhundert so richtig an Fahrt.

Es begann alles mit dem Glauben vom Einzelnen, aber wurde dann in der Gemeinschaft gelebt. Natürlich zuerst in der Gemeinde, dann aber auch in der Kleingruppe. So begann die Freikirche, wo ich aufgewachsen bin. Es war am Anfang die Gruppe der Frömmler, die sich am Sonntagnachmittag noch trafen zum Bibellesen und gemeinsamen Gebet. Den der christliche Glaube ist etwas, das in der Gemeinschaft gelebt werden muss, denn so war es von Anfang an von Gott gedacht.

Die Kunst der Gemeinschaft
Es gibt ein altes Lied, das fragt, «Warum geht es nicht als Solochrist?» In der Bibel werden wir aufgerufen, wie Abraham, ein «Freund Gottes» zu sein (Jak 2,23). Jesus nimmt so wie wir sind, und macht uns zu Gottes Freund. So verstanden es, die Gründerväter der Freikirchen. Jesus nannte uns seine Freunde (Joh 15,15) und er ist der gute Hirte (Joh 10,14) und wir seine Schafe, und er führt uns auf Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens Willen (Ps 23,3). Wir dürfen Gott also auf eine tiefe Art kennen, und das ermutigt uns, und ist auch wieder die Antwort auf Angst, Sorge und Einsamkeit:

Mögen mein Leib und mein Herz verschmachten,
der Fels meines Herzens und mein Teil ist Gott auf ewig. (Ps 73,26)

Gott möchte also in der Regel nicht, dass wir allein unterwegs sind, sondern er schenkt uns Gemeinschaft: Freunde, Ehepartner, Seelsorger, Eltern und all jene, die uns im Glauben ermutigen, und mit uns vielleicht ein Wegstück machen.

Schauen wir mal zuerst das Zuhause an.

Beziehungen zuhause
Für die meisten von uns sind die allerersten Beziehungen die, welche wir zuhause erleben, dort wo wir hineingeboren werden. Unsere Herkunftsfamilie wird oft unterschätzt, wenn wir über den Glauben reden. Wie der Glaube zuhause gelebt wird, prägt uns entscheidend. Im 5. Mose 6,6-7 wird uns schon gesagt, wir sollen mit unseren Kindern über den Glauben sprechen, «wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du dich erhebst.» Das heisst im Alltag, einfach so eingebaut, in den Tagesablauf, damit Wort und Tat übereinstimmen. Wie meine Eltern den Glauben gelebt haben, oder auch nicht – negatives Vorbild ist auch ein Vorbild – das prägt uns. Timotheus z.B. sagt Paulus, dass er sich gut an den «ungeheuchelten Glauben» seiner Grossmutter erinnern kann, 2. Tim 1,5. «Ungeheuchelt» würden wir heute mit «authentisch» übersetzen. Sie hat nichts vorgespielt, sondern hat den Glauben authentisch gelebt.

Das sind unsere ersten Beziehungen als Kind. Und gleichzeitig, wenn wir später vielleicht selbst Kinder oder Enkelkinder haben, können wir da wieder prägen und formen.

Gäll, keine Familie ist perfekt, das sehen wir auch in der Bibel. Wenn wir die z.B. den Stammbaum von Jesus anschauen, dann sehen wir da Familien mit allerhand wilden Geschichten, und bei Gott hat jede Familie ihren Platz – egal wie unperfekt. Gott möchte mit jedem Menschen und seiner Familie Geschichte schreiben. Ich glaube die Eltern wünschen sich immer das Beste für ihr Kind. Da machen wir auch Fehler, und das gibt dann wieder die Möglichkeit, dass Gott mit unseren Kindern seine Geschichte schreiben kann.

Für Katja und mich sind Rituale wichtig. Wir haben immer mit den Kindern die Zeit vor dem ins Bettgehen genutzt, um ihnen Geschichten vorzulesen und mit ihnen zu beten. Manchmal lasen wir die Kinderbibel, und manchmal auch Geschichte, die christliche Werte vermitteln. Und wir sprachen mit Ihnen über das, was sie bewegt hatte.

Heute läuft das über die gemeinsame Tischzeit. Es ist uns wichtig, dass die Handys weg sind am Tisch, und dass wir miteinander darüber reden, was uns gerade bewegt. Das geschieht aber nicht einfach so. Wir müssen jede Woche einen Plan machen, wer wann zuhause ist, und wann wo sein muss, und dann schauen wir, dass wir gemeinsam essen können – und auch wer wann kocht. Weil, was wir essen, ist auch wichtig.

Wir sprechen dann mit den Kindern über das, was gerade dran ist. Sei es Themen vom Glauben, sei es, was gerade aktuell vom Geschehen in der Welt, oder auch von ihren Themen.

Jetzt sagst du vielleicht, das ist doch normal. Naja, bei mir zuhause war das in der Teenie Phase schwierig. Mein Vater wollte immer um 17.30h essen, und ich kam halt erst um 18.30h oder 19.00h nach Hause und dann musste ich halt allein essen.

Katja und ich lösen das mit einem Essensplan und das regelt schon mal viel. Aber manchmal muss ich dann halt auch Kompromisse machen – aber uns ist es das Wert, weil wir die Tischgemeinschaft schätzen.

Bin ich ein perfekter Vater? Nein, aber ich kann meinen Kindern mein Herz weitergeben.
Gell, Katja ist die Fürsorgerin, aus der Perspektive der Mutter sieht das nochmals anders aus.

Vielleicht überlegst du dir mal, wie du mit der Familie Zeit ohne Handy pflegen kannst. Vielleicht bleibst du nach dem Essen länger sitzen und hörst den anderen gut zu. Vielleicht fragst du deine Kinder oder Enkel mal, wie kann ich für dich beten?

Gell, es geht nicht darum eine perfekte Familie zu sein, sondern es geht um echte Beziehung.

Also unser Zuhause ist mal ein wichtiger Ort, um Beziehungen zu lernen und leben. Und dann ist da noch ein anderer Ort – die grosse Familie.

Beziehungen in der Kirchgemeinde
So wie wir in unsere leibliche Familie geboren wurden, so werden wir dadurch, dass wir mit Jesus unterwegs sind ein Teil der Gemeinde. Wir sagen dem, die «grosse Familie».

Gell in unserer heutigen Kultur ist das Individuum das höchste Gut. Das ist auch in der Bibel wichtig, aber es geht am Schluss ums Volk Gottes, wo wir auch ein Teil davon werden. Ein Christ, der nicht zu einer Gemeinde gehört, das gibt es in der Bibel nicht. Gott der Vater adoptiert uns in seine grosse Familie. Und da gibt es viele Bilder dafür. Petrus spricht vom «geistlichen Haus», wo wir als lebendige Steine ein Teil davon werden, (1. Pet 2,4-5). Oder Johannes spricht vom Weinstock und den Reben (Joh 15,5). Ja, jeder ist ein Individuum, und da ist jeder Einzelne wichtig. Ja, jedes Haar auf unserem Kopf ist gezählt (Lk 12,7), so wichtig ist jeder Einzelne, doch in der Bibel ist auch die Gemeinschaft wichtig. «Ihr seid nun Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes» (Eph 2,19), sagt Paulus. Und Paulus ist auch derjenige, der das Bild vom Körper braucht (Röm 12,4-5; 1. Kor 12,12-27), und auch da merken wir, jedes Glied am Körper ist wichtig und hat seine Funktion, und doch macht jedes Organ nur Sinn, wenn es Teil vom ganzen Körper ist.

Und diese Balance zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft zeigt uns, wie wichtig die Beziehungen in der Kirche sind. Gell, so wie wir in der Gemeinde z.B. zusammen mit Lieder Gott anbeten, das kommt nie an das heran, wenn wir für uns selbst anbeten. Es liegt ein spezieller Segen drauf, wenn wir gemeinsam Gott anbeten und ihn mit unseren Liedern loben. Wenn wir zusammen Gottesdienst feiern, dann ist die Gegenwart Gottes stärker, als wenn wir mit uns allein Gottesdienst feiern.

Die Gemeinde ist nämlich mehr als nur die Summe der einzelnen Glieder. Gäll, die Zeiten, wo wir mit Gott allein sind, sind auch wichtig, aber eben es ist nicht das gleiche. Es braucht beides.

Etwas, das ich speziell finde in der Gemeinde ist, die Vorbilder im Glauben. Paulus sagt es in Philipper 3,17 so: «Richtet euren Blick auf die, welche ihr Leben auf diese Weise führen; ihr habt ja uns als Vorbild.“ Gell, der Glaube wird durch die Lehre gelernt, aber noch mehr durch Vorbilder.

Gäll, besonders in meiner Jugendzeit waren mir die Vorbilder in der Gemeinde wichtig. Und auch heute noch, aber ich nehme es vielleicht anders wahr. Ich glaube das hat damit zu tun, dass wir von Natur aus als Mensch für Beziehung geschaffen sind. Wenn wir sehen, wie andere den Glauben leben, dann hilft uns das, und spricht mehr als tausend Bücher oder Predigten. Vorbilder sind auch nicht perfekt, weil sie sind auch auf Gottes Gnade angewiesen, aber wie sie das machen, das bringt uns im Glauben weiter. Ja, auch wie sie zerbrechlich sind, gehört dazu. Wenn sie durch schwierige Situationen gehen können, dann können wir das auch.

Wie geht es dir an diesem Punkt? Wir haben ja als Gemeinde jetzt neu die «Familien und Freunde» Sonntage, wo wir bewusst Zeit haben Beziehungen zu pflegen. Hast du da auch schon Leute eingeladen? Vielleicht lädst du mal jemanden ein, den du nicht so gut kennst, und hörst mal wo sie gerade dran sind, und dann kannst du besser für sie beten.

Dann gibt es in der Gemeinde noch die Kleingruppen.

Beziehung in der Kleingruppe
Kleingruppen sind Gruppen von 4-8 Personen, wo wir zusammen über den Glauben sprechen. Wie erleben wir das, was wir da in der Bibel lesen? Wie erleben wir das in den Hochs aber auch den Tiefs? Paulus ermutigt uns, dass wir als Menschen im Glauben miteinander «in Liebe aufrichtig sind», dann wachsen wir «in allen Stücken hin zu ihm, der das Haupt ist, Christus» (Eph 4,15). Es liegt also ein Segen darauf, wenn wir uns regelmässig treffen, und miteinander im Glauben ehrlich sind. Da geht es darum, einander im Glauben zu ermutigen. Einander wieder aufhelfen, wenn wir gefallen sind, einander ermutigen aber auch ermahnen, wenn wir Down sind einander Ermutigung zu sprechen, und wenn wir nicht mehr durchsehen, zusammen darüber beten.

Gell, wir alle erleben manchmal Schwieriges, wo wir nicht verstehen. Und genau dann brauchen wir Menschen aus Fleisch und Blut, die auch schon ähnliches erlebt haben. Jeder von uns erlebt Sachen, die andere so noch nie erlebt haben, und da kann es uns helfen, wenn wir eine Gruppe haben, die mit uns diesen Weg navigieren. In Sprüche 11,14 steht, «wo aber viele Ratgeber sind, gibt es Rettung.“ Und da kann eine Kleingruppe ein solcher Ort sein, wo wir einander den Weg zeigen und miteinander unterwegs sind.

Wenn man zurückgeht zu den Anfängen der Freikirchen, dann merkt man, Kleingruppen sind ein Markenzeichen der Freikirchen. Man spricht zusammen über den Glauben und teilt das Leben miteinander. Wenn wir füreinander beten, dann kann uns das gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Taten, wie es in Hebräer 10,24 steht. Wir haben ja momentan den Schwerpunkt Gebet in dieser Predigtserie und bieten auch Angebote an, die euch konkret im Gebet anleiten. Vielleicht besucht ihr als Kleingruppe einen solchen Anlass und fragt, wie ihr das in der Kleingruppe integrieren könnt.

Wie sieht es an diesem Punkt für dich aus? Vielleicht überlegst du dir mal, wo du dich einer Kleingruppe anschliessen kannst. Oder vielleicht ist das für dich nicht dran und du überlegst dir, ob es in deinem Umfeld Menschen gibt, mit denen du ehrlich sein kannst, wie es dir im Glauben geht.

Gell, ich bin schon in vielen Kleingruppen gewesen, die Herausforderung ist, dann wir wirklich über das reden, was uns gerade beschäftigt und dann füreinander beten.

Vielleicht ist das für dich nicht dran, und du überlegst dir einfach, ob du dich mit jemandem persönlich treffen kannst, und gemeinsam über den Glauben sprechen und füreinander beten.

Gell es ist nicht immer eine Gruppe. Manchmal ist es für eine Phase vom Leben einfach ein guter Freund, der sich Zeit nimmt mit dir unterwegs zu sein. Aber wir brauchen gute Freunde, wo wir drüber reden, was wir im Glauben erleben, und füreinander beten.

Eins-zu-eins Freundschaften
Gäll, die Beziehungen in der Gemeinde sind nicht immer gleich. Mit den einen klicken wir besser als mit anderen, das ist natürlich. Und trotzdem ist die Gemeinde wichtig, denn in der Gemeinde kommen wir mit Menschen zusammen, mit denen wir sonst nie etwas zu tun hätten. Und dann manchmal ergibt es sich, dass wir mit jemandem eine tiefere Beziehung aufbauen, wo es dann zu einer richtigen Freundschaft wird. Wo man dann gemeinsam einkaufen geht, gemeinsam Spiele macht, zusammen an ein Konzert geht, zusammen wandern geht, oder was einem auch immer Freude macht. Doch das ist nicht immer so, mit vielen bleiben wir oberflächlich befreundet, und das ist auch okay so. Wir haben alle nur limitiert die Möglichkeit tiefere Beziehungen zu haben. Und dann muss es auch richtig klicken, und das hat dann manchmal einfach mit der «Chemie» zu tun. Manchmal springt einfach der Funken und das läuft automatisch.

In der Bibel ist da die Freundschaft zwischen David und Jehonatan ein Beispiel, wo es heisst, «Jehonatan fühlte sich mit David innig verbunden, und Jehonatan liebte ihn wie sein eigenes Leben.“ (1. Sam 18,1). Und als Saul David ans Leben wollte, da half ihm Jonathan. Gell, manchmal entstehen im Leben solche Freundschaften, wo man zusammenhält wie durch Pech und Schwefel. Solche Freundschaften, wenn sie entstehen, sind ein Geschenk. Und dieses Geschenk dürfen wir dann pflegen.

Im Buch Kohelet (Prediger) gibt es eine Stelle, die solche Freundschaften beschreibt, Kohelet 4,9-12. Aus dieser Stelle können wir einiges für solche Freundschaften lernen:

Erstens, Freunde haben gemeinsame Interessen und pflegen diese. «Zwei haben es besser als einer allein” (Koh 4,9).
Zweitens, Freunde geben sich Rechenschaft ab. «Wenn sie fallen, kann der eine seinem Gefährten aufhelfen.» (Koh 4,10)
Drittens, Freunde ermutigen sich im Glauben, und feuern sich wie im Rennen gegenseitig an. «In geschwisterlicher Liebe sind wir einander zugetan, in gegenseitiger Achtung kommen wir einander zuvor.“ (Röm 12,10)
Viertens, Freunde beten füreinander. «Zieht die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr dem Teufel und seinen Machenschaften entgegentreten könnt!“ (Eph 6,11).

Gäll, ich habe ein paar solche Freunde, und wir haben schon viel zusammen erlebt. Gingen durch Hochs und Tiefs und beten immer wieder füreinander. Was Beziehungen ausmacht, die über Jahre gehen, sind gemeinsame Interessen. Mit dem einen ist es Musik, mit dem anderen das Kanufahren. Da kann man beim gemeinsam Etwas-tun übers Leben reden. Gell für Männer ist das wichtig. Ich merke das immer wieder. Für Männer ist es schwierig einfach im Kreis zu sitzen und darüber zu sprechen, wie du dich gerade fühlst. Da braucht es, dass wir zusammen etwas anpacken. Vielleicht auch mal ein Abenteuer erleben, wo wir noch Jahre später davon sprechen. Das schweisst dann auch zusammen. Und eben, dabei reden wir übers Leben und was wir mit Gott erleben. Da sind wir echt und spielen einander nichts vor. Und dann beten wir auch zusammen. Das läuft nicht immer nach Schema-F, aber wir haben gemeinsame Werte und da entsteht das… und läuft über Jahre.

Wie am Anfang erwähnt, nimmt der «soziale Kitt» in der Schweiz ab, und da sind solche tiefen Freundschaften nicht mehr im Trend. Einer hat mal gesagt, wir erleben eine Rezession von Freundschaften. Es ist kein Geheimnis, dass die sozialen Medien dazu beitragen, weil sie uns vorgeben, dass wir viele Freunde haben. Und so sind wir gemeinsam einsam, und glauben, dass es das Smartphone oder Tablet es schon richten wird.

Doch ich glaube da wird uns Sand in die Augen gestreut. Wir brauchen Beziehungen und sind für Beziehungen geschaffen. Doch die momentane Kultur, in der wir leben, macht es uns nicht einfach. Viele Menschen merken das manchmal auch, und stellen die sozialen Medien ab oder reduzieren stark. Wie dem auch sei, Beziehungen geschehen nicht einfach, da braucht es bewusste Schritte, und ist auch wieder mit Gebet verbunden.

Wenn wir in dieser Predigtserie übers Gebet sprechen, dann kommen wir nicht darum herum, aufzuzeigen, dass es als Solochrist eben nicht geht. Wir brauchen einander. Zwei Augen sehen mehr, zwei Ohren hören mehr und zwei Hände können mehr tun als nur eine, genauso ist es im Glauben. Wenn wir zusammenkommen, dann können wir erleben, wie zu zweit mehr möglich ist als allein. Sei es zuhause oder in der Gemeinde. Da können wir in der Gnade wachsen.

Gäll, dieser Schwerpunkt vom Gebet entstand aus dem Forum im September 24, wo wir uns gefragt haben, wie wir das Gebet in unserer Gemeinde stärken können. Ein Punkt daraus war, dass wir neue Gebetsformen entdecken wollen. Dann haben vier Angebote geschaffen, die man besuchen konnte. Eines im Gebetshaus in Uster, eines im Gebethaus in Amden und eines bei uns in der Viva Kirche, und eines war schon vorhanden in Gossau. Als diese abgeschlossen waren, hatten wir den Eindruck, das war super, aber es geht noch besser. Und so entschlossen wir, die Angebote, die uns am meisten angesprochen hatten, in die Nähe zu holen.

Diese Woche startete der Lectio Divina Workshop mit Markus Welt. Letzte Jahr waren 8 Personen dabei, dieses Jahr 5. Danke, Markus, dass du uns in diese Gebetsform einführst.

Im Januar werden wir an zwei Wochenenden Seminartage mit Reini Kiener haben. Er ist Teil vom Gebetshaus Amden und kommt am zweiten Wochenende mit einem Team, damit wir das hörende Gebet dann üben können.
Und im April gibt es noch eine Retraite im Kloster in Jona-Rapperswil, wo der Studienleiter von Markus Welti mit uns Stille Tage mit uns machen wird.
Und dann ist da noch das Gemeindegebet am Montagabend, wo wir uns jeweils um 19.00h treffen. Diesen Montag findet es um 19.30h im Reformierten Kirchgemeindehaus statt.

Alles freiwillig, aber es ist eine Möglichkeit in der Gemeinschaft das Gebet zu üben.

Gäll, vielleicht passt das jetzt, vielleicht nicht. Deshalb gebe ich euch eine ganz praktische Aufgabe. Überlege dir, wenn du fragen möchtest, wie du für ihn oder sie diese Woche beten kannst.

Dann nach einer Woche kannst du diese Person fragen, was ist daraus geworden? Wer weiss, vielleicht entsteht daraus dann eine Gebets-Freundschaft.

Gäll, Gebet ist nicht limitiert zu irgendwelchen Angeboten. Gebet kann überall und in jeder Form geübt werden; Kleingruppen, Zweierschaften oder auch im Gemeindegebet. Die Form ist nicht entscheidend, entscheidend ist, dass wir es zusammentun. Weil, das schweisst uns zusammen und stärkt uns als Gemeinde. Wie es Gott am Anfang im Buch Genesis sagt, «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist» (Gen 2,18).

Wir haben ja als Gemeinde das Motto «Mehr Himmel auf Erden». Wenn wir das als Gemeinde erleben wollen, dann glaube ich, ist der Schlüssel dazu das Gebet. Ich bin gespannt, was wir zusammen im Gebet noch alles erleben werden.

Wir singen jetzt gemeinsam das Lied «Vater mach uns eins».

Wir brauchen Beziehungen, denn darauf liegt ein Segen.

[1] Freitag, Markus. Der soziale Kitt der Schweiz wird poröser, https://www.uniaktuell.unibe.ch/2025/politkolumne_19_freitag_20250110/index_ger.html, veröffentlicht 10. Jan 2025, abgerufen 20. Aug 2026

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