In Glauben reinkommen
Serie: | Bibeltext: Lukas 12,32
Die ersten Christen hatten ein kleines Büchlein, worin sie erklärten, wie man in den Glauben reinkommt. Diese kurze Schrift trug den Titel «Didache» und es fängt an mit «Es gibt zwei Wege…»
- Einer, der zum Leben führt, und
- der andere, der zum Verderben führt.
Jesus hat in der Bergpredigt die Menschen auf den beiden Wegen beschrieben. Schauen wir doch mal, wen wir da so auf diesen beiden Wegen finden:
| Menschen auf dem Weg zum Leben | Menschen auf dem Weg zum Verderben |
| Matthäus 6 | |
| Der eine sammelt Schätze im Himmel (V20) | Der andere sammelt Schätze auf Erde, wo Motten und Rost sie fressen (V19) |
| Erleuchtete Menschen (V22) | Menschen in Finsternis(V23) |
| Menschen, die Gott dienen (V24) | Menschen, die dem Wohlstand dienen (V24) |
| Menschen, die ihrem himmlischen Vater vertrauen (V32) | Menschen, die sich Sorgen machen (V25) |
| Matthäus 7 | |
| Menschen, die darum bemüht sind, bei sich selber anzufangen (V5) | Menschen, die allen anderen Schuld geben (V1) |
Jesus gibt uns hier in der Bergpredigt ein Bild vom Reich Gottes.
Wenn du jetzt sagst, ich möchte auf den richtigen und guten Weg kommen, dann stellt sich die Frage, was machst du jetzt?
Wie komme ich auf diesen Weg, der zum Leben führt?
Ich will euch heute 5 Schritte aufzeigen, wie wir auf den Weg kommen, der zum Leben führt. Der Erste ist, dass wir mit deinem Herzen hinhören, nicht einfach nur mit dem, was wir so oberflächlich wahrnehmen. Jesus sagt, „Wer Ohren hat, der höre!“ Wer so hört, der geht tiefer. Mehr als nur hören und denken. Es bedeutet zu überdenken; wenn du vor dem Weg stehst, der zum Leben führt, alles umzudenken. Das ist es, was es bedeutet, umzukehren: Alle Aspekte von unserem Leben nochmals umdenken. Das Leben in einem neuen Licht sehen.
Die Art und Weise, wie wir Gott sehen: Er ist kein verbitterter alter Mann, sondern ein liebender Vater, der auf uns wartet und uns eine neue Chance gibt.
Die Art und Weise, wie wir unser Gegenüber sehen: Gott hat alle Menschen, und besonders Mann und Frau in seinem Ebenbild geschaffen, d.h. in Vielfalt sind wir eine Einheit. Mann und Frau sind unterschiedlich und das ist ein Bild für das Zusammenleben der Menschen. Einheit in Vielfalt.
Und das hat einen Einfluss, wie wir uns im Dorf und in der Nachbarschaft einsetzen. Wir ergänzen uns gegenseitig und setzen uns dafür ein, gesunde Beziehungen zu leben. Manchmal gibt es Menschen, die wollen alles nur auf ihre Mühle drehen. Sie wollen sich an anderen bereichern. Doch bei Jesus sind auch die Menschen am Rand der Gesellschaft wichtig, auch jene z.B. in den Asylzentren! Auch jene, die stereotypisch schlecht gemacht werden.
Christen wollen da einen Unterschied machen. Wir wollen reich an Liebe sein, und glauben, dass wenn wir andere auch gerade dann lieben, wenn sie es nicht verdient haben, dann kann Gott daraus Frucht entstehen lassen.
Wenn wir an der Kreuzung stehen, und den neuen Weg einschlagen, den Weg zum Leben, dann bedeutet das nicht, dass sich unser Leben plötzlich von einem Tag auf den anderen verbessert. Aber wir stellen uns darauf ein, dass sich mit der Zeit alles ändern wird. Wir kennen den falschen Weg, und möchten unser Leben jetzt neuausrichten, auf das was gut ist, und nicht auf das, was verderblich ist.
In der Bergpredigt sagt Jesus:
Tretet ein durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und viele sind es, die da hineingehen. Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der ins Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden! (Matt 7,13+14)
Da finden wir wieder die zwei Wege. Durch das eine Tor führt der Weg ins Leben und durchs andere zum Verderben.
Letztes Jahr gab es ein Championsleague Fussball-Spiel im ausverkauften Wankdorfstadion. Die Young Boys spielten gegen Celtic Glasgow. 85 Minuten lang konnten die Berner Young Boys sich knapp mit einem 0:0 durchwursteln und das hätte ihnen mindestens einen Punkt gegeben, doch dann… ein unglücklicher Pass… ein Konter. Der Schuss auf Goal, wird dann aber zum Glück abgewehrt… doch der Goalie kann den Ball nicht halten… es kommt zum Abpraller und da steht der unglückliche Spieler von YB, Benito, und macht ein Eigentor. Müsst euch das mal vorstellen: 86. Minute! Mit einem Punkt wäre YB weitergekommen. Aber jetzt, der Traum geplatzt. Wie bitter!
Das Eigengoal ist ein Bild fürs Leben. Wir meinen, auf dem richtigen Weg zu sein. Wir wursteln uns irgendwie durch, doch dann ein Eigentor.
Wenn wir die beiden Wege so anschauen, dann stellt sich uns die Frage: Wo stehen wir? Wo haben wir gemeint auf dem richtigen Weg zu sein und stellen plötzlich fest, nein, Eigentor! Wo wäre es daran umzukehren?
Wenn wir auf den richtigen Weg kommen wollen, dann braucht es zuerst die Erkenntnis, dass wir eine Umkehr brauchen!
- Glaube
Als zweites braucht es den Glauben. Doch bei dem ist es manchmal schwierig zu sagen, wo er aufgehört hat, und wo er angefangen hat. Wenn wir mal im Leben ein Eigentor geschossen haben, und gelernt haben, wie das geht, dann lernen wir, dass wir manchmal meinen das Richtige zu tun, und trotzdem voll daneben sind.
Wenn wir zugeben können, «Hey, ich war voll neben den Schuhen!», dann wird es einfach zu glauben, nur Gott kann mich retten.
Doch jetzt kommt die schwierige Frage: Wie viel Glauben müssen wir haben? Ist unser Glaube ungültig, wenn wir so und so viel Zweifel haben? Das war schon eine Frage zur Zeit von Jesus, und er beantwortete die Frage so: Alles was es braucht, ist „ein mungi Pfupf“ an Glauben. Er sagte es so, was es braucht, ist „Glaube so gross wie ein Senfkorn“ (Matthäus 17,20).
Jetzt kommt die nächste Frage, wie misst man den Glauben? Jesus warnte uns mal davor, dass wir nicht nur vom Glauben reden, sondern dass wir danach leben. (Matt 23,3) Beim Glauben geht’s ums Anwenden, ums Leben, und nicht darum, dass ich keine Zweifel habe. Der Glaube, der zählt, ist nicht einer ohne Zweifel, sondern einer der im Leben umgesetzt wird.
Ein solcher Glaube bringt dich in Bewegung und bringt dich weiter. Paulus sagte es mal so,
„Das einzige, was zählt, ist ein Glaube, der sich durch tatkräftige Liebe als echt erweist.“ (Gal 5,6 – NGÜ)
Wir können tausende von Blogs und Büchern über den Glauben lesen, jeden Sonntag eine Predigt hören, und wenn das nicht genügt, dann hat es auf Youtube noch endlos predigten – alles super. Doch das ist nicht das, was überzeugt. Für mich ist es immer wieder das, dass ich spüren und erleben darf, wie Christen sich für andere einsetzen.
Wie man Glauben misst? Hände, die Anpacken, Herzen, die mit Anderen Erbarmen haben, und mit den Weinenden weinen und mit denen feiern, die am Feiern sind.
Mit dem Glauben ist es ja so eine Sache. Wir vertrauen Gott, dass er uns in unserem Leben, wo wir Auf und Ab erleben, durchträgt. Und da brauchen wir Menschen, mit denen wir gemeinsam unterwegs sind, damit der Glaube ganz praktisch erlebbar wird. Und, ich glaube, da braucht es immer wieder … auf Englisch sagt man, einen «Leap of Faith», auf Deutsch «Sprung im Glauben». Wir fangen an Gott zu vertrauen, und erleben, hey, er versorgt mich wirklich und ich habe Geschwister im Glauben, die mit mir unterwegs sind.
Im Leben gibt es immer wieder Herausforderungen, und da braucht es immer wieder Mut, zu sagen, «Okay, im Glauben pack ich das!»
- Aufnahmebereitschaft
Bis jetzt haben wir vom Umdenken und Glauben gesprochen. Wenn wir in den Glauben hineinkommen wollen, braucht es noch etwas. Doch das ist etwas, was wir nicht kontrollieren können. Umkehren und Glauben, das können wir machen, aber der nächste Schritt hat mit Haltung und Einstellung zu tun. Wir wollen offenbleiben zu empfangen.
Die Haltung offenzubleiben zu empfangen, ist noch schwierig zu definieren. Das Bild, das ich dafür gerne verwende, ist das von einem Ehepaar, das schwanger werden will. Meine Frau und ich wir haben einige Jahre versucht schwanger zu werden. Da haben wir gelernt, dass da die Möglichkeiten limitiert sind. Ein Arbeitskollege von mir, der auch unfruchtbar war, sagt, «Wir suchen immer noch den richtigen Schalter!» (Humor!) Durch diese Zeit habe ich gelernt, dass Schwanger-werden mit Offenheit und Empfangsbereitschaft zu tun hat.
Das ist der Grund, warum die Mutter von Jesus in der Bibel eine spezielle Rolle hat, vor allem im Advent. Wenn wir die Weihnachtsgeschichte lesen, da kann es Maria kaum glauben, dass sie schwanger sein soll. Das brauchte ein gewisses Umdenken, eine Umkehr. Sie musste erkennen, was bei Gott möglich ist, und was für eine Jungfrau unmöglich ist. Sie brauchte Glauben! Und sie ist dann bereit aufzunehmen und sagt, „Mir soll es geschehen.” Als der Engel zu ihr kommt, und ihr sagt, dass sie schwanger werden wird, da sagt sie „Mir geschehe, wie du gesagt hast!” (Lukas 1,38) Auf Englisch fängt dieser Vers an mit “Let it be” an: “Let it be with me according to your word.” Diese Worte finden wir in einem bekannten Lied wieder: Let it be, let it be, let it be. „Mir sölls gscheh, nach deinem Wort!“ Let it be! «Mir soll es geschehen» (Lukas 1,38)
Was nimmst du auf? Ich glaube, es ist nicht nur etwas; es geht es um alles: Vergebung, Angenommen-sein, Liebe, Ermutigung… alles, was wir brauchen, um im Reich Gottes zu leben. Ja, es ist sogar noch mehr als das! Was wir wirklich aufnehmen müssen, ist der Geist Gottes.
Mit dem Geist Gottes zu leben hat mit Loslassen zu tun. Sorgen abgeben. Die Sorgen darüber, was werden wir essen? (Matt 6,31) Von was soll ich leben? Ein Mensch, der offen ist für das Wirken vom Geist Gottes, der sorgt sich nicht um den morgigen Tag (6,34), denn dieser hat genug eigene Sorgen.
Als Leitvers für diese Predigt habe ich Lukas 12,32 gewählt: «Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“ (Lk 12,32).
Das heisst, Gott gibt uns das Reich Gottes. Wir können es uns nicht selbst nehmen. Es ist und bleibt ein Geschenk. Die Frage ist, sind wir offen dafür?
Ich glaube, ohne die Bereitschaft aufzunehmen laufen wir Gefahr, zu meinen, wir können das Reich Gottes irgendwie verdienen. Du kannst das Reich Gottes nicht verdienen, es ist und bleibt ein Geschenk, das wir annehmen und aufnehmen können – und zwar einzig und allein durch Gnade.
Wie sieht es bei uns mit dieser Aufnahmebereitschaft aus? Vertrauen wir Gott, dass er für uns sorgen wird, ohne dass wir immer alles, voll und ganz im Griff haben? Und, wo ist da der Heilige Geist drin?
- An die Öffentlichkeit gehen
Nach diesen drei Schritten kommt der nächste ganz natürlich. Du gehst an die Öffentlichkeit mit dem, dass bei dir Umdenken und Umkehr stattgefunden hat.
Der Glaube und die Offenheit für Gottes Wirken müssen wir nicht verstecken. Es gehört an Licht.
Die Taufe ist etwas Öffentliches, und damit bekennen wir drei Dinge:
- Wir haben erkannt, dass wir auf dem falschen Weg waren. Wir bekennen „Ich wasche mein altes Leben ab. Noch mehr, ich begrabe es!“ Paulus spricht davon in Römer 6,1-11. Das ist das Untertauchen im Wasser.
- Wir bekennen, dass wir an Jesus Christus glauben. Und wir vertrauen Gott so sehr, dass wir ihm in die neue Welt nachfolgen. Paulus spricht in 2. Kor 5,17 von der neuen Schöpfung: «Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden».
- Wir sind bereit, uns beschenken zu lassen und bezeugen: „Ja, wir wollen den Heiligen Geist aufnehmen.» In Apostelgeschichte 2,38 sagte Paulus, «Lasst euch taufen… und empfangt die Gabe (das Geschenk) vom heiligen Geist.»
Das ist das Bekenntnis der Taufe, und das ist der 4. Schritt. Jetzt sagt ihr vielleicht, Stefan, das ist doch langweilig, das habe ich alles schon erlebt. War das jetzt alles?
- Ein Leben lang dranbleiben
Da kommt noch etwas… nämlich, den Rest vom Leben zu lernen, was es bedeutet, Jesus jeden Tag nachzufolgen. Als Christen sind keine Clubmitglieder, die einen Ausweis bekommen, um diesen dann im Sack zu haben (Wortspiel), und ein Leben lang drauf zu sitzen. Mit Jesus zu leben, braucht Übung.
Der Glaube an Jesus ist nicht etwas, dass wir «im Sack haben». Am Schluss von seinem Leben gab Jesus uns die Anweisung, dass wir einander immer wieder lehren sollen, das anzuwenden, was die Bibel uns sagt.
…und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe (Matt 28,20)
Ich möchte die 5 Schritte in einem Bild zusammenfassen…
Bild der Auswanderung
Katja hat uns in der Einleitung von unserer Auswanderung nach Kanada erzählt. Wenn wir den Glauben an Jesus annehmen, dann ist das wie Auswandern in ein anderes Land. Da braucht es viel Glauben, dass es im neuen Land besser wird. Wenn man ankommt, muss man alles alte Loslassen. Ich mag mich noch an das mulmige Gefühl erinnern, «jetzt muss ich mich ganz auf die Gepflogenheiten und Gesetzte vom neuen Land verlassen! Auf was lasse ich mich da nur ein?!» Braucht schon viel. Du legst deine Papiere hin, und dann kommt der Stempel… Jetzt sind sie bei uns angekommen. «Landed-immigrant Status».
Damals gab es den Rinderwahn, und die Kanadier hatten Angst, dass wir an unseren Füssen noch Dreck aus der Schweiz hatten. Wir mussten dann über einen Teppich laufen und unsere Schuhe abputzen. So ist das, wenn man in ein neues Land kommen.
Beim Reich Gottes geschieht das so, dass man dich dazu einlädt ein Bad zu nehmen, um den alten Mief und Gestank loszuwerden. So kannst du sauber in ein neues Leben starten.
Man kann in dem neuen Land auch nur mit einem Touristenvisum leben, ohne Bürgerrecht. Im Glauben gibt es auch viele die einfach mit einem Touristenvisum in ein Land gehen. Man kann auch im Glauben nur mit einem Touristenvisum im Reich Gottes leben. Doch wenn man sich taufen lässt, dann wird man definitiv aufgenommen.
Und deshalb möchten wir dich hier einladen, falls du noch nicht getauft bist, ganze Sache zu machen, und dich in der Gemeinde taufen zu lassen. Wir werden am Sonntag, 5. Juli ein Tauffest feiern, und du kannst dich dazu anmelden. Es ist ein schönes Erlebnis, getauft zu werden. So eine richtige Feier, bei der ich bezeuge, «ich mache ganze Sache».
Und wie das so ist, wenn man in ein neues Land zeiht, man darf da immer wieder viel lernen. Das Reich Gottes hat eine Sprache, die geprägt ist von Dankbarkeit und Ermutigung, und nicht mehr von Stolz und Vorurteil. Die-Wahrheit-sagen, Fehler-zugeben, und Freuden-teilen prägen dies Sprache. Ein anderer Rhythmus als nur Krampfen und 5min Stille Zeit am Morgen. So werden wir neugeboren, und fangen ein neues Leben an… in einer neuen Welt!
So kommen wir in den Glauben rein. Jesus lädt uns alle herzlich ein!

