Still sein vor Gott und ihn hören
Serie: Ein brennendes Herz für Gott | Bibeltext: 1. Samuel 3,10
Dies ist der fünfte Teil der Predigtserie «Brennendes Herz für Gott».
Themen bis anhin:
- Bibel lesen
- Meditation darüber
- Beten und heute
- Still sein vor Gott
Diese vier Teile zusammen ergeben eine ergänzte stille Zeit, und wird seit Alters her «Lectio Divina» genannt.
Thema heute: Still sein vor Gott und ihn hören
Heute geht es darum, wie wir vor Gott still werden können, um ihm zu begegnen und ihn wahrzunehmen.
Vor einer Woche haben wir von Stefan gehört, dass Gott der Vater beide Söhne liebt und dem jüngeren Sohn, dem verlorenen Sohn, als er zurückkam trotz allem entgegen gegangen ist.
Erleben wir auch wie Gott uns entgegenkommt?
Nicht in der physikalischen Welt aber in der Geistlichen.
Spüren wir etwas von Gott auf der „geistlichen Ebene“ oder leben wir einen theoretischen Glauben?
Zum Still sein vor Gott & auf ihn hören
Ein Beispiel aus dem AT, Samuel hörte in der Nacht was, brauchte aber Anleitung von Eli bis er sagte:
… Rede, dein Knecht hört! 1. Sam 3,10.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Samuel schon mehrfach im Schlaf Gott rufen gehört. Nun mit der Anweisung hat es geklappt.
Für uns geht es geht heute um die Frage wie wir etwas von Gott vernehmen können und was es braucht um etwas mitzubekommen.
Dazu wollen wir auf 2 sich ergänzende Gebete eingehen:
- Das Jesus gebet oder auch Herzensgebet genannt, das ist sich wiederholendes Gebet, das uns beruhigt und auf die Stille vorbereitet
- Die Innere Versenkung, inneres Verweilen vor Gott oder wie es auch genannt wird die Kontemplation
Schön, aber wieso Still sein vor Gott??
Wieso still sein vor Gott
Wir könnten sagen:
Gott sieht sowieso in uns hinein und sieht was so bei uns läuft, wieso müssen wir nun noch still sein.
In der Stille leisten wir nichts für Gott, müssen wir auch nicht– es geht um uns, wir werden empfänglich für sein Wirken an uns.
Die Stille ist für uns geschaffen
Stille schafft Raum, um Gott wahrzunehmen und zu begegnen.
Wenn wir still werden und uns Christi Gegenwart öffnen, kann die Beziehung zu ihm wachsen.
Damit beginnen wir, unser Leben stärker mehr aus der grösseren Wirklichkeit Gottes heraus wahrzunehmen.
So wird es gelehrt und so erlebe ich es, es gibt ganz langsam einen Perspektivenwandel.
Dadurch verlieren die Ansprüche, Sorgen und Verlockungen des Alltags dieser Welt ihre überwältigende Macht.
Klar, die sind immer noch da aber wir sehen sie etwas anders.
Die Welt verliert dadurch nicht ihren Wert – aber ihren Anspruch, alles zu sein.
Das bedeutet nicht, dass die für uns Welt unwichtig sein soll.
Gerade, weil sie nicht mehr alles sein MUSS, können wir die guten und schönen Dinge
bewusster wahrnehmen und dankbar mit gutem Gewissen geniessen.
Glaube wird als Beziehung und Gegenwart erfahren
Wir dürfen einfach vor Gott da sein.
So wird der Glaube nicht nur zu eine theoretische Sicht, sondern wird in der Beziehung und Gegenwart auf Herzens- und Geistesebene praktisch erfahrbar.
Im Glauben geschieht Kommunikation in beide Richtungen.
Christliches Leben ist Unterhaltung auf Herzensebene, IN DER STILLE, meistens OHNE Worte
Aber sind wir im Geiste im hier und jetzt?
Um das zu veranschaulichen eine Geschichte eines Mönches aus dem 4. Jahrhundert.
Ganz im hier und jetzt sein
Ein geistlich erfahrener Mönch, ein Wüstenvater offensichtlich in vieles eingebunden wurde gefragt:
«Wie schaffst du es, trotz deiner vielen Aufgaben so ruhig und gesammelt zu bleiben?»
Er antwortete:
«Wenn ich stehe, dann stehe ich.
Wenn ich gehe, dann gehe ich.
Wenn ich sitze, dann sitze ich.
Wenn ich esse, dann esse ich.
Und wenn ich bete, dann bete ich.»
Entrüstet sagten die Anderen: «Das tun wir doch auch!»
Der Mönch erwiderte: «Nein. Wenn ihr sitzt, steht ihr in Gedanken schon wieder auf. Wenn ihr geht, seid ihr bereits am Ziel. Wenn ihr esst, denkt ihr schon an das, was danach kommt. Wenn ihr zuhört, überlegt ihr bereits, was ihr antworten wollt. Und wenn ihr betet, seid ihr mit euren Gedanken oft weit weg von Gott.»
Da kommt sofort die Frage: Wie steht es mit uns, sind WIR jeweils im Gebet mit den Gedanken dabei?
Gott ist in der Gegenwart erfahrbar, wir hängen viel in der Vergangenheit oder in der Zukunft und sind selten im «Hier und Jetzt».
Es gibt diese Probleme, dass wir nicht zur Ruhe kommen, scheinbar schon seit Jahrhunderten.
In der Stille merken wir oft erst, wie laut und zerstreut es um uns und in uns ist.
Wir hören wenig von Gott, nicht weil Gott aufgehört hätte zu reden,
sondern weil IN UNS kaum noch ein freier Raum bleibt, in dem wir auf IHN aufmerksam werden können.
Wie Samuel zuerst dachte Elie hätte ihn gerufen.
Dazu ein Zitat von Tauler einem Vorgänger der Reformation sagte sinngemäss:
„Gott würde in dich kommen und deine Seele erfüllen, wenn er sie leer fänd"
Die Frage ist wie wir diesen Raum schaffen!
Wie lassen wir los, was uns ständig beschäftigt, und richten unsere Aufmerksamkeit allein auf Gott.
Nicht weil wir ihn herbeirufen müssten. Er ist bereits da, in uns.
Freundschaft in der Stille
Das Bild stellt für mich die Sehnsucht nach Gott dar;
Ich möchte ihn wahrnehmen, hören und etwas von ihm erfahren.
Geht es euch nicht auch so?
Eine Freundschaft lebt auch vom stillen Zusammensein
In meiner letzten Predigt zum Bibellesen ging es darum, dass Gott mit uns in Beziehung treten möchte.
Die Bibel bezeugt dies.
«Ich nenne euch nicht mehr Diener. Ich habe euch Freunde genannt.» Johannes 15,15
Freunde erzählen einander, was sie bewegt. Eine tiefe Freundschaft lebt jedoch nicht nur von Worten.
Bei einem vertrauten Menschen können wir auch schweigen, ohne dass die Beziehung abbricht.
Ähnliches gilt für unsere Beziehung zu Christus.
«Bleibt in mir, und ich bleibe in euch.» Johannes 15,4
Wir dürfen Gott sagen, was uns bewegt. Aber unsere Worte dürfen auch zur Ruhe kommen.
Wir dürfen einfach still bei ihm sein und dabei IN IHM bleiben.
Dabei muss nichts Besonderes geschehen. Vielleicht spüre ich Frieden. Vielleicht nehme ich mal gar nichts wahr.
Entscheidend ist nicht meine momentane Erfahrung.
Sondern wie Jesus Bibelstelle sagt: «Bleibt in mir, und ich bleibe in euch.»
Noch etwas mehr darüber
Herzenstempel; Ich in dir du in mir
Wisst ihr das etwa nicht: Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes, der in euch wirkt. ….. 1. Kor 6,19 BB
Wir sind Tempel? Sind wir uns dessen bewusst? Wie sieht es darin aus?
Was auch noch auffällt: Gott wirkt auch heute noch in uns, wahrscheinlich erleben wir es einfach zu wenig.
Wie überall Luft ist, ist Gott überall; wie das Meer unendlich ist, ist es Gott.
In ihm sollen wir uns völlig versenken, bis wir dort anlangen: ich in dir, du in mir. Tersteegen
(Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter vom reformierten Pietismus. Und aus dem Pietismus ist ja auch die Viva Kirche entstanden)
Innere Versenkung hatte mit Still sein zu tun.
Wenn wir nichts erleben, stellt sich natürlich auch die Frage: «Wie redet Gott mit uns?»
Sie sagten zueinander: »Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung, als er unterwegs mit uns redete und uns die Heilige Schrift erklärte?« Lukas 24,32, BB
Er redet zumeist im Geist zu unserem Herz und damit zu unserem Geist
Denn der Gott, der gesagt hat: Aus der Finsternis soll Licht aufstrahlen, er ist es, der es hat aufstrahlen lassen in unseren Herzen, so dass die Erkenntnis aufleuchtet, die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes auf dem Angesicht Jesu Christi.
2. Korinther 4,6 NGU
Wie kann Gottes Reden für uns wahrnehmbar werden?
Meistens nicht in hörbaren Worten, sondern es wird uns:
- Etwas blitzartig klar, es klingelt in uns
- Wichtig
- Etwas lässt uns keine Ruhe
Wenn wir nun eine innere Stimme mit Wörtern wahrnehmen, stellt sich eventuell die Frage, kommt dies nun von Gott oder woher kommt es?
Prüft aber alles und behaltet das Gute. 1. Thess 5,21 Der Massstab ist das Wort und das Wesen Gottes, Gott widerspricht sich nicht selbst.
Wie wir dies praktisch prüfen, ist ein Thema, das wir bei anderer Gelegenheit ansehen müssen.
Eine Variante ist hörendes Gebet. Dazu gibt es ja noch Veranstaltungen.
Wie ist es nun mit der Stille vor Gott und das Hören von Gott
Wie hören wir nun etwas durch den Geist? Machen wir dazu eine Übung
Übung: Still sein vor Gott
Wir werden nun einige Augenblicke Still, ohne etwas zu denken, um auf Gott zu hören
Wir sitzen nun ruhig und entspannt da, schliessen die Augen und denken an nichts.
Was habt ihr bemerkt — Stille oder gerade erst recht ein Gedröhn von Gedanken?
Unser inneres Wesen will immer irgendwo anders unterwegs sein, z.B. etwas vorbereiten.
Aber nicht im hier und jetzt sein.
Das zeigt es braucht Übung.
Still sein vor Gott; Kontemplation
Kontemplation kann auch als innere Versenkung oder stilles Verweilen vor Gott bezeichnet werden.
Wir erzeugen dabei nichts, sondern ruhen in seiner Gegenwart.
Augustinus sagte:
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott“
Oder heute wird nüchtern aus reformiertem Munde, dazu gesagt:
Kontemplation ist das Ziel der Sehnsucht, das Ruhen in Gott.
Darin zeigt sich unsere Sehnsucht nach Gott.
Was ist Sehnsucht in diesem Zusammenhang.
Sehnsucht nach Gott ist die suchende Gestalt der Gottesliebe
Sehnsucht ist eine Form der Gottesliebe,
Darauf brennt unser Herz!
Zu 2 Schritten, die uns dabei helfen kommen wir nun:
Das Herzensgebet sammelt uns;
in der Kontemplation verweilen wir still vor Gott.
Eigentlich ist es das!
Jedoch braucht es wohl «Etwas» Übung und zugleich Gnade Gottes bis etwas erleben.
Damit kommen wir noch zum Praktischen. Schauen wir uns beides praktisch an.
Üben können wir dies hier natürlich nicht, dazu komme ich noch.
Jesus-/ Herzensgebet
Das Jesusgebet kommt aus den biblischen Aufrufen zum „unablässigen Gebet“; Bibelstelle:
“ Freut euch allezeit, betet ohne Unterlass,” (1. Thessalonicher 5,16-17)
Es ist keine Techniken oder Methode, dies kann nicht mechanisch passieren.
Es ist ein Weg, uns auf Christus auszurichten und zur Ruhe zu kommen.
Um die Beziehung und Gottes Wirken in unserem Herzen zu ermöglichen.
Es gibt in den verschiedenen Kirchen über die letzten 15Jhd. Verschiedene Formen dieses Gebets.
Schauen wir uns eine einfache und Kurze an:
Herzensgebets kombiniert mit der Atmung an
- Setze dich ruhig und aufrecht hin. Stuhl, Schneidersitz. Entspanne Schultern und Gesicht, schliesse Augen.
- Nimm einige Atemzüge wahr, ohne sie zu verändern.
- Verbinde anschließend Gebet und Atem:
Einatmen: «Jesus»
Ausatmen: «Christus»
- Sprich die Worte zunächst leise, später nur noch innerlich. Übe jeweils etwa 5–10 Minuten.
- Wenn Gedanken abschweifen, kehren mit ihnen zurück zu Atem und Gebet zurück.
Indem du ohne ärgerlich zu werden (jetzt kommst du schon wieder) die Gedanken beiseite-schiebst und zurückkehrst zum Gebet. - Beende die Zeit mit einem Moment der Stille und einem kurzen Dank.
Das Herzensgebet ist ein schlichtes, wiederholendes Gebet, bei dem der Gebetsruf vom Kopf ins Herz sinken soll.
Der Weg über den Atem hilft mir sehr.
„Entscheidend ist dieser natürlich nicht und auch nicht, ob wir etwas Besonderes erleben.
Entscheidend ist unsere ruhige, liebende Ausrichtung auf Gott und unsere Bereitschaft, in seiner Gegenwart zu verweilen.“
Im Kontext zum «Still sein vor Gott» nutzen wir es als Vorbereitung zur inneren Versenkung.
Damit wären wir nun ruhig. Nun zur «Inneren Versenkung»
Innere Versenkung
Kontemplation hat mit innerer Wahrnehmung zu tun. Sie lässt sich nicht objektiv nachweisen, sondern nur persönlich erfahren.
Wahrscheinlich wurde sie deshalb in der Moderne als man alles bewiesen haben wollte, von den Kirchen unter der Druck «vergessen».
Sie kann nur beschrieben werden und auch da tun sich die Autoren zwar schwer.
Am besten probiert es aus.
- Im Herzensgebet rufe ich den Namen Jesu, ich klopfe an.
- In der Kontemplation ruhe ich schweigend in seiner Gegenwart.
Kurzer Definitionsversuch:
Innerlich still und empfangsbereit vor Gott zu verweilen.
Dabei geht es weniger darum, Antworten zu erhalten, als Gott selbst Raum zu geben.
Der Heilige Geist vertieft unseren Glauben, richtet uns auf Christus aus und verwandelt unser Leben.
Eine andere Aussage dazu:
Gott spricht zum Herzen nicht mit Worten, sondern mit Engelsflügelschlag
Stille Kommunikation auf Herzensebene
Auch wenn wir nichts Besonderes wahrnehmen, vertrauen wir auf Gottes Gegenwart.
Praktischer Ablauf
Nach einer Zeit des Herzensgebets lasse ich die Gebetsworte langsam still werden. Ich versuche nicht, einen besonderen Zustand herzustellen.
Ich bleibe schweigend vor Gott – aufmerksam und ruhig.
Es kommen wahrscheinlich weiterhin Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle. Ich kämpfe nicht gegen sie an, sondern lasse sie weiterziehen.
Wenn ich merke, dass ich weit in Gedanken abdrifte. Das Herzensgebet hilft mir, mich wieder zu sammeln und immer wieder zu Christus zurückzukehren.– Ein paar Maal«Jesus Christus» – und lasse es danach wieder still werden.
Damit immer wieder meine Aufmerksamkeit auf Christus in meinem Herzen zuwenden.
So werde ich aufmerksamer für Gottes Gegenwart und sein Wirken.
In dieser Stille werde ich empfänglicher für das, was Gott mir zeigen möchte.
Darin Gottes Präsenz wirken lassen
Kaum Theorie, wichtig ist Aufmerksamkeit auf was in uns läuft und die Ruhe vor Gott.
Meine Erfahrungen
Ich habe den Lehrgang, bei dem dies auch ein Thema war gemacht, weil ich den Eindruck hatte etwas in meinem Glauben fehle, da müsse mehr sein. Es gab mehr und Herzensgebet & Still sein vor Gott ist etwas davon.
Ich habe diese Form des Jesus- Gebets und der Kontemplation zunächst in einer Gruppe kennengelernt und übe sie heute mehrmals pro Woche. (3-5 Mal pro Woche für mich selbst ca. 20 – 45 Minuten, zusammen mit der Lectio Divina)
Sie schenkt mir mehr innere Ruhe und eine gefestigtere Beziehung zu Jesus. Ich denke, ich habe auch mehr geistliche Einsichten erhalten. Zugleich verändert sich mein Blick darauf, was im Leben wirklich wichtig ist.
Zusammenfassung
- Ganz im Hier und Jetzt sein – Geschichte des Mönches
- Das zerstreute Herz auf Christus auszurichten um zur Ruhe kommen - Herzensgebet
- Gott in unserem tiefsten Inneren begegnen - Kontemplation
In einer Predigt kann dieses Thema beleuchtet werden aber um dies zu lernen, soweit das geht, denn das Erfahren Gottes ist Gnade braucht es einen anderen Rahmen, daher lade ich euch ein zu
- den Workshops für Lectio Divina ab dem 3. September. und dem
- Wochenende im Kloster Wurmsbach bei dem unser Lehrgangsleiter dabei ist und es gestaltet. Er hat zu diesem Thema längere Zeit Praxis an verschiedenen Orten gesammelt. Datum: 9. – 11. April 2027
Seminar / Wochenende / Abschluss
Was wäre ein Leben, wenn in ihm, von Gott, dem einzig entscheidenden
Geheimnis und Zielpunkt, nichts wahrzunehmen wäre! Jörg Zink
Ich denke ich habe lange Zeit, weil dies nicht bekannt war im Glauben einiges „verpasst“, daher der Aufruf:
Wenn ihr das noch nicht kennt, lasst das nicht an euch vorbeigehen.
Wenn ihr den Eindruck habt, im Glauben etwas zu wenig zu erleben, wäre das etwas.
