Das Gleichnis des verlorenen Sohns: Prioritäten
Serie: | Bibeltext: Lukas 15,11-32
Als ich diese Predigt vorbereitet habe, habe ich mich gefragt, wie kann uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn heute nochmals frisch zu uns sprechen?
In meinen 12 Jahren als Pastor ist heute das 6x, dass ich über das Gleichnis vom verlorenen Sohn predige. Ich weiss nicht, wie oft habt ihr schon eine Predigt über den verlorenen Sohn gehört. Da ist es schwierig, noch überrascht zu werden. Deshalb möchte ich es mal ganz langweilig machen, und einfach versuchen zu rekonstruieren, was die Zuhörer damals gehört haben. Ist vielleicht etwas anders, als wir uns das gewohnt seid, aber ich glaube, wenn wir die Kultur von damals besser verstehen, dann kann das Gleichnis vielleicht nochmals anders zu uns sprechen.
Aber Achtung, es gibt da eine Gefahr, nämlich, dass wir uns zu fest in die damalige Zeit transportieren lassen, und dabei vergessen, dass Gleichnisse uns überraschen wollen und uns einen Ging ins Füdli geben wollen.
Habt ihr schon mal von dem Unti-Lehrer gehört, der wunderbar das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner erzählte. Er erklärte alle geschichtlichen Details wunderbar, und vergass sich dabei so, dass er am Schluss betete, «Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, wie Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner.“ (Lk 18,11). Dieser Unti-Lehrer ist so in die Geschichte eingetaucht, und hat alle Details supergut erklärt, und wurde dann selbst zum Pharisäer. Ich meine, wie konnte ihm das nur passieren! Und schon ertappen wir uns, wie wir sagen, „Danke, Gott, dass ich nicht so bin, wie dieser Unti-Lehrer!“
Also, stellen wir unsere Antennen auf Empfang, und lassen wir uns von dem überraschen, wie Gott heute morgen zu uns sprechen möchte.
Das Gleichnis der verlorenen Söhne
Wir sprechen heute morgen über das Gleichnis der verlorenen Söhne, Mehrzahl. Lukas 15,11-32. Wie es der Titel verrät, geht es heute um unsere Prioritäten.
Das Gleichnis zeigt uns, wie Jesus ist, doch zuerst einmal sind da ein Vater und zwei Söhne. Vers 11: „Ein Mann hatte zwei Söhne.“ Vers 1+2 zeigen uns, wofür die beiden Söhne stehen. Der Jüngere Sohn steht für die Zöllner und Sünder, mit denen Jesus gerne Zeit verbringt. Der ältere Sohn steht für die Schriftgelehrten und Pharisäer, wo Jesus darum kritisieren. Der Vater steht für Gott, der himmlische Vater, der nicht nur seinen verlorenen, sondern auch den selbstgerechten Sohn wieder zurück gewinnen möchte.
Zu wem spricht das Gleichnis? Es wird fälschlich oft dafür gebraucht, Sünder zu konfrontieren, diejenigen, welche vom Weg abgekommen sind. Dieses Gleichnis zeigt doch wunderbar, was passiert, wenn wir ab dem Weg kommen! Das ist doch schon im Titel drin!? Falsch! Es geht um beide Söhne. Derjenige der offensichtlich gesündigt hat, und derjenige, der vorschnell urteilt und verurteilt. Beide Söhne haben Fehler gemacht, und Gott ist bereit beide, den „Abgestürzten“ und auch den unverbesserlichen Gesetzlichen wieder anzunehmen, wenn sie bereit sind das Richtige zu tun.
Okay, jetzt ist alles klar! Wir können nach Hause. Doch halt, ich glaube, da ist noch mehr drin. Das Gleichnis will ja auch zu uns reden. Manchmal meinen wir, wir müssten zuerst einmal so absaufen und so in Sünde leben, wie der verlorene Sohn bei den Prostituierten und den Sauen, oder aber genauso gesetzlich, verurteilend wie der ältere Bruder, damit das Gleichnis auch zu uns reden kann. Weil eben, das Gleichnis „vom verlorenen Sohn“ hat ja nur eine Botschaft für Playboys, jene, wo die Konsequenzen vom falschen Lebensstil noch nicht eingeholt hat – egal, ob abgesoffen oder selbstgerecht. Aber halt mal, ist das so?!
Wir wissen natürlich, die beiden müssen sich ändern! Aber wir, wir sind ja nicht so, und müssen uns deshalb auch nicht ändern. Ich meine, was machen wir schon falsch? Und schon ertappen wir uns beim Beten, «Gott, ich danke, dass ich nicht so bin wie der jüngere oder ältere Sohn!“ Hoffentlich fallen wir heute morgen nicht in diese Falle!
„Und, was mache ich falsch?“, fragen wir jetzt. Ich glaube, das ist schon mal die falsche Frage, weil das zeigt, dass wir das Gleichnis nicht verstanden haben. Ich schlage vor, wir hören damit auf, dauernd zu überlegen, wer was richtig oder falsch macht – weil – wie ich euch zeigen möchte, es geht zuerst einmal um die Beziehung!
Was hat der jüngere Sohn falsch gemacht?
Jetzt sagst du vielleicht, Stefan, das kann doch nicht sein! Also, machen wir den Test und fragen, «Was hat eigentlich der jüngere Sohn falsch gemacht?»
Und der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zusteht. Da teilte er alles, was er hatte, unter ihnen. (V11+12)
War es vom jüngeren Sohn falsch, zu fragen, ob er sein Erbe ausbezahlt haben kann? Der Vater kann doch einfach «Nein!» sagen. Und genau das, macht der Vater nicht! Er sagt Ja. Wie können wir dem jüngeren Sohn da einen Vorwurf machen?
Wenige Tage danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land (V13a)
Was ist daran falsch die Koffer zu packen? Okay, im Text steht nichts von einem Koffer, aber wenn man die Geschichte liest, dann merkt man, er hat mehr als seinen Koffer gepackt. Vers 13: «Er (machte) alles zu Geld“ (V13). Dort wo er hinging, da brauchte er Cash und nicht ein Stück Land, deshalb verkaufte er alles und packte den Cash ins Handgepäck. Und was ist daran falsch? Gibt es ein Gesetz, das sagt, man darf sein Land nicht verkaufen, um es in anderes zu investieren – wie z.B. Freunde und Freuden? So hätte vielleicht der jüngere Sohn argumentiert, wenn wir ihn gefragt hätten.
«Er zog in ein fernes Land!» Und jetzt? Was ist daran falsch? Gibt es ein Gesetz, das sagt, dass ein junger Mann nicht von zuhause wegziehen darf?
Dort lebte er in Saus und Braus und verschleuderte sein Vermögen. (V13b)
Okay, da könnten wir sagen, er hätte doch seine Finanzen besser planen können. Eine reife und vernünftige Person, hätte besser im Griff gehabt. Okay, er war nicht der Cleverste, und gute Entscheidungen treffen war nicht seine Stärke. Aber darum geht es ja nicht. Wir fragen hier nach dem, was er FALSCH gemacht hatte! Gibt es ein Gesetz, das sagt, dass man immer clever sein muss und seine Finanzen im Voraus planen? Ist es gegen das Gesetz, das Leben ein bisschen zu geniessen?
Dann ist da noch der Punkt übers Verprassen vom Vermögen mit Huren. Aber halt! Wenn wir genau hinschauen, dann merken wir, dass diese Worte vom älteren Bruder kamen.
Der ältere Sohn aber wurde zornig… „Aber nun, da dein Sohn heimgekommen ist, der da, der dein Vermögen mit Huren verprasst hat“ (V28+30a)
Hat der ältere Sohn wirklich gewusst, was sein Bruder getan hatte? Oder hat er das einfach erfunden? Es heisst ja, «er wurde aber zornig» Können wir dem Bruder mit seinen Vorurteilen und seiner Selbstgerechtigkeit wirklich vertrauen? Vielleicht ist der ältere Bruder auch ein bisschen neidisch, dass sein Bruder die Freiheit geniessen konnte, und spricht deshalb so. Der jüngere Sohn gab zu, dass er nicht richtig gelebt hat. Aber, wer ist schon perfekt? Ich meine, was erwarten wir von einem reichen Burschen, der das Abenteuer sucht? Wir merken also, der Jüngere hätte sich schon wehren können, wenn er das wollte.
[Da] kam eine schwere Hungersnot über jenes Land und er geriet in Not. (V14b)
Und genau da geht ihm das Geld aus! Ich meine, er hätte sich doch für diesen Fall vorbereiten können? Doch, wie konnte er wissen, dass eine Rezension kommen wird, und was das bedeutet? Wenn man Vers 15 liest, dann merkt man, die Schweine bekamen Futter, aber er hatte nichts zu essen.
Da ging er (…) die Schweine zu hüten. Und er wäre zufrieden gewesen, sich den Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Schweine frassen, doch niemand gab ihm davon. (V15b+16)
Und dann ist da noch das mit den Sauen! Ja, sie waren für Juden eine Schande, aber er hat ja kein Schweinefleisch gegessen. Das zeigt uns, wie schlimm die wirtschaftliche Lage war. Er bekam nicht einmal Schweinefleisch zu essen!
Wir merken also, es ist gar nicht so einfach, dem jüngeren Sohn anzuhängen, das Gesetz gebrochen zu haben! Wieso hat der jüngere Sohn sich nicht das gefragt, was uns beschäftigt, „was habe ich jetzt genau falsch gemacht?“ Wieso schwört er mit der Hand auf dem Herz, „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“?
Beziehungen sind wichtiger
Ich glaube, er hatte verstanden, was bei Gott wirklich zählt, nämlich Beziehungen! Jesus hat immer wieder davon gesprochen, dass es wichtiger ist mit Gott eine Beziehung zu haben, als technisch fehlerfrei zu leben[1]– und all die Jahre für den Vater zu schuften. Es geht nicht darum, nur Gebote einzuhalten. Beziehungen zu leben, steht bei Jesus ganz oben auf der Liste! Das hatte der ältere Bruder offensichtlich nie verstanden. Er forderte seinen Vater mit der Behauptung heraus:
All die Jahre diene ich dir nun, und nie habe ich ein Gebot von dir übertreten. (V29)
Vielleicht hatte er ja recht, aber eben, das ist nicht der Punkt vom Gleichnis! Es geht um Beziehung.
Schauen wir uns das Gleichnis noch einmal an. Aber anstatt zu fragen: "Welche Gebote wurden, technisch gesehen, übertreten?", fragen wir: "Welche Beziehungen wurden missbraucht?" Mit dieser Frage sieht das Gleichnis plötzlich anders aus. Beide Söhne haben da nicht viel vorzuweisen.
Nach einem Erbvorbezug zu fragen, bricht kein Gesetz. Aber es war trotzdem etwas Unverschämtes! Es ist, wie wenn der junge Mann sich beim Vater beschweren würde, «Du lebst zu lange! Ich möchte jetzt etwas erleben. Ich will nicht warten, bis du stirbst!"
Aber weisst du was, der ältere Bruder steht auch nicht besser da. Wie beklagt er sich später beim Vater? «All die Jahre diene ich dir nun!“ „All die Jahre schufte ich schon für dich!“ Er wollte sagen, weisst du eigentlich, wie lange ich darauf gewartet habe, den Hof zu übernehmen?! Wie lange willst du noch leben, Vater?
Es geht nicht darum, lediglich Gebote einzuhalten. Es geht um Beziehungen, und da fallen beide Söhne durch.
Die Beziehung zwischen den Söhnen war nicht besser. Wie beschuldigt der ältere Sohn den Vater?
Vers 30: Aber nun, da dein Sohn heimgekommen ist, der da, der dein Vermögen mit Huren verprasst hat, hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. (V30)
Habt ihr es bemerkt, wie der Ältere über seinen Bruder spricht? "Dein Sohn!" Damit sagt er, das ist nicht mehr mein Bruder.
Natürlich kann man sagen, der jüngere Sohn hat diese Ablehnung verdient. Beide Söhne wussten, was passiert, wenn das Erbe nach dem Tod des Vaters aufgeteilt würde. Der ältere Bruder würde dann zwei Anteile und der jüngere Sohn nur einen bekommen. So regelte es das Erbgesetz im 5. Mose 21,17. Da in der Geschichte wird aber fifty-fifty gemacht, und so bekommt der jüngere Sohn wesentlich mehr, als er es sonst bekommen hätte. Er hat das Gesetz nicht gebrochen, aber die Beziehungen innerhalb der Familie stark belastet.
Und wie sieht es sonst noch aus? Das Land verkaufen, wegziehen, das Grundstück verschwenden? Das war in dieser Kultur undenkbar. Unmöglich! Wenn ein Vater das Eigentum zu Lebzeiten aufteilte, war es selbstverständlich, dass der Sohn die Eltern im Alter unterstützt. Der Jüngere hat da ziemlich Schande auf sich gebracht. Doch, wenn wir ehrlich sind, brachten beide Schande auf sich. Einziger Unterschied, der eine sah es ein, und der andere nicht. Der eine tut Busse, der andere nicht.
Wir merken also, es geht nicht darum, wer wie tief er in die Sünde gerutscht war, sondern es geht um liebevolle Beziehungen, und darum, wie diese wiederhergestellt werden können.
Natürlich geht es um den jungen Mann, der zu viel Sünde auf sich brachte, und dann so tief fiel, dass er dann nach Hause kam, und die Vergebung vom Vater brauchte. Aber was war seine Sünde genau, und was bedeutet es so tief zu fallen? Da müssen wir nochmals genau hinzuschauen. Ja, er lag daneben, und bekennt deshalb seine Sünde, «Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.“ (V21) Das Problem ist nicht objektive Schuld, sondern die zerrütteten Beziehungen.
Ich glaube, wenn wir nur fragen, «Was habe ich falsch gemacht?» Oder, «welches Gesetz habe ich gebrochen?» verpassen wir etwas. Wir sehen dann nur verlorene Menschen am Tiefpunkt vom Leben, wie der Jüngere, und selbstgerechte Menschen, wie der Ältere. Vielleicht sollten wir aber fragen, wie läuft es zwischen mir und meinem Vater? Wie läuft es zwischen mir und meinen Brüdern und Schwestern? Das fordert uns nochmals anders heraus, und je nachdem wie wir antworten, so stehen wir danach selbst da, verurteilt oder getröstet.
Es ist viel einfacher, auf die Fehler zu schauen. Es ist viel einfacher, eine weisse Weste vorzuweisen, oder vorzuzeigen, wie hart wir für Gott gekrampft haben. Nur, wenn wir das tun, dann sollten wir aufpassen, nicht wie der Pharisäer im anderen Gleichnis zu werden. Der Gott dankte, dass er nicht wie der Zöllner war, den er verachtete.
Gell, die entscheidende Frage, wenn wir eine Predigt hören, ist, wie redet Gott zu mir? Oder sind wir mehr darauf bedacht zu überlegen, für wen diese Predigt jetzt gut wäre? Nein, es geht um mich, um meine Beziehung mit dem Vater und den Geschwistern der Familie.
Schwerpunkt auf dem «rennenden» Vater
Bis jetzt haben wir die beiden Brüder mit ihren Prioritäten angeschaut. Höchste Zeit, dass wir einen Blick auf den Vater werfen. Eigentlich könnten wir dem Gleichnis auch den Titel, «der wartende Vater» geben. Wie weit geht er, um die Beziehungen wieder herzustellen? Und was hat es ihn gekostet, seine Familie wiederherzustellen?
Ein Missionar im Nahen Osten hat das Gleichnis vom verlorenen Sohn gebraucht, um Nomaden das Evangelium zu bringen. Dabei hat er von den Nomaden etwas gelernt, dass ihn überrascht hat. Für sie war klar, dass es um Beziehungen geht. Sie haben nicht gefragt, was hat der jüngere Sohn falsch gemacht? Für sie war wichtiger, dass er Scham auf sich selbst und seine Familie gebracht hatte.
Wie konnte er nur seine Beziehung mit der Familie auf die Probe stellen? Dem Missionar fiel beim Vorlesen auf, dass sie jeweils speziell reagierten, als der Vater auf den Sohn zu rannte.
Er war noch weit weg, da sah ihn sein Vater schon und fühlte Mitleid, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. (V20)
Für die Nomaden war klar, damit brachte der Vater Scham auf sich und auf seine Familie.
Der Missionar fragte sie dann, «Wie kommt ihr darauf?» Antwort: «Ein alter Mann würde nicht rennen!» Der Missionar hackte nochmals nach: «Was ist denn das Problem damit?» Antwort:
«Er musste dazu sein Kleid hochhalten! Und dann sah man seine Füsse. Das ist eine Schande!»
Hast du dir das schon mal überlegt? Der verlorene Sohn hat sich auf dem Heimweg überlegt, wie das wird, wenn er in sein Dorf zurückkommt, und hat erwartet, dass er ausgelacht und gefoppt würde.
Er meinte sicher, die Kinder würden ihm Steine nachwerfen, und ihn anspucken. Vielleicht würden sie ihm den Rücken zu kehren. Dieser junge Mann hatte so viel Schande auf seine Familie gebracht,
dass er im Dorf nie mehr akzeptiert werden könnte.
Da haben die Dorfbewohner wahrscheinlich nicht schlecht gestaunt, als der Vater auf den Sohn zu rannte. Der Vater, der von seinem Sohn beschämt wurde, macht selbst etwas, das ihn zum Gespött macht. Er lupft sein Gewand und rennt! Er macht sich zum Narren! Für einen Mann in seinem Alter ist das in dieser Kultur beispielslos. Sogar die Kinder aus dem Dorf werden über ihn lachen! Wenn sie zurück ins Dorf kommen, wird man auf beide, Vater und Sohn, herunterschauen. Der Vater war bereit, seine Ehre zu opfern, damit sein Sohn nicht allein in Schande heimkommen musste. Und da hat der Missionar etwas verstanden. Das zeigt wunderbar, was Gnade ist! Gnade bedeutet, dass wir einen liebevollen Vater haben, der unsere Scham und Schuld auf sich nimmt, und sie gegen seine Ehre eintauscht!
Die Beziehung mit uns Menschen wiederherzustellen, hat Gott seine Ehre gekostet. Und das ist der Punkt des Gleichnisses. Es geht zuerst einmal um einen verlorenen Sohn, der erkennt, wie wichtig Beziehungen sind. Aber eben, es geht auch um einen Vater, für den Beziehungen so wichtig sind, dass er bereit ist, seine Ehre aufs Spiel zu setzen, und sich zum Spott zu machen, alle Regeln vom Anstand zu brechen, damit er mit dem Sünder wieder eine Beziehung haben kann.
Und genau um das geht es bei Jesus! Er ist mit Zöllnern und Sündern an den Tisch gesessen. Und das macht das Gleichnis zeitlos, und hat die Zuhörer damals angesprochen, und tut es auch heute noch. So lange es Menschen gibt, die nichts mit Gott zu tun haben wollen. Und so langes es Menschen gibt, die realisieren, dass die Beziehung mit Gott viel wichtiger ist, wichtiger als fehlerlos zu leben, und wichtiger als für Gott zu krampfen, so lange wird das Gleichnis weiter zu uns sprechen.
Es ist also wichtig, dass Gott sogar bereit ist, dafür seine Ehre aufs Spiel zu setzen, um die Beziehung wiederherzustellen. Er wartet geduldig, bis wir verstehen, wie wichtig diese Beziehung ist, und bis auch wir verstehen, dass wir unseren eigenen Stolz loslassen dürfen. Hören wir auf, zu fragen, was habe ich falsch gemacht. Hören wir auf, uns aus Stolz zu rechtfertigen, und fangen wir an, uns mit der wichtigeren Frage auseinander zu setzen, "Wie steht es zwischen mir und Gott? Wie steht es zwischen mir und meinen Brüdern und Schwestern?" Lernen wir, wie Gott zu sagen, "Alles, was mein ist, ist (auch) dein!" (V31)
Na klar, das Gleichnis spricht zu den Ausgestossenen und denen, die stolz von sich behaupten,
«Ich habe noch nie ein Gebot gebrochen.» Aber eben, es hat auch eine starke Botschaft für alle, die sich irgendwo zwischen den Extremen stehen. Gott möchte, dass wir alle seine grenzenlose Gnade annehmen, mit ihm an den Tisch sitzen und die Beziehung geniessen und feiern, weil wir wissen dürfen, dass ihm das viel wichtiger ist, als gut da zu stehen und auf seinen Feldern zu schuften.
Anwendung
Nun wie können wir das in unserem Leben anwenden?
Ich glaube, das spricht auf ganz vielen Ebenen zu uns:
Geht es in der Nachbarschaft nur darum, wer was richtig oder falsch macht, oder investiere ich auch in die Beziehungen? Helfe ich meinen Nachbaren, wenn sie mich brauchen? Überrasche ich sie einfach mal mit einem Zopf?
Oder, wir haben heute unsere Kinder gesegnet. Ein Kollege von mir hat mir mal gesagt, er hätte nie gedacht, wie die Beziehung zu seinen Kindern in der Teenie Phase getestet würde. Da geht es manchmal hoch zu und her, und dann ist die Frage, stehe ich mit dem Zeigefinger erhoben da, wenn etwas schiefläuft und sage, «Ich hab’s dir doch gesagt. Hättest du nur auf mich gehört.» Oder lassen wir unseren Teenies den Raum eigene Erfahrungen zu machen, und umarmen wir sie, wenn sie es brauchen?
Dasselbe können wir auch in der Gemeinde fragen. Gäll, die Gemeinde ist nicht perfekt. Da läuft vieles und es ist nicht immer einfach alles richtig zu organisieren. Und so gibt es immer wieder Sachen, wo die man sich vielleicht anders wünschen würde, aber die Frage ist, wo investiere ich in Beziehungen? Denn ich glaube am Schluss vom Tag sind es die Beziehungen, die uns tragen – Beziehung mit Jesus und Mitmenschen.
Schluss
Und so lade ich uns alle ein, mit dem nächsten Lied Jesus in den Mittelpunkt zu stellen.
Nicht unsere Leistung soll der Mittelpunkt sein.
Nicht unser Versagen.
Nicht unser Stolz.
Nicht die Meinung von anderen über uns.
Nicht unsere Stärke – und auch nicht unsere Schwäche.
Jesus soll der Mittelpunkt sein.
Wenn wir stark sind: Du, Jesus, bist der Mittelpunkt.
Wenn wir schwach sind: Du, Jesus, bist der Mittelpunkt.
Wenn wir versagt haben: Du, Jesus, bist der Mittelpunkt.
Wenn wir stolz geworden sind: Du, Jesus, bist der Mittelpunkt.
Wenn wir uns verloren fühlen: Du, Jesus, bist der Mittelpunkt.
Am Schluss geht es nicht darum, dass wir unser Leben perfekt zwägbüge chönd (hinbekommen).
Es geht darum, dass wir Beziehungen stärken, dass wir Gottes Gnade annehmen. Dass wir an seinen Tisch kommen. Und dass wir lernen, auch unseren Brüdern und Schwestern Raum zu geben. Ihre eigene Erfahrung zu machen.
[1] z.B. Matthäus 9,12-13
