Die Autorität der Bibel & missbrauchte Ehefrauen
Serie: 1. Petrus - Taugenichtse | Bibeltext: 1. Petrus 3,1-6
Was machen wir nur mit diesem Text? Denn 1. Petrus 3,1-6 wurde in der Kirchengeschichte dazu verwendet, den Frauen in ungesunden Ehen zu sagen, sie sollen schweigen, auch wenn ihre Männer aussereheliche sexuelle Beziehungen haben, oder wenn sie ihnen gegenüber gewalttätig wurden, und dass sie all das in einer dienenden Haltung akzeptieren müssen. Dabei wurde kein Unterschied gemacht, ob der Mann Christ war oder nicht.
Der Kirchenvater Augustin hat basierend auf diesem Text gesagt, dass Frauen mit Sklaven verglichen werden sollten, weil im Abschnitt vorher ähnliches gesagt wird, wie den Frauen in Kapitel 3. Sklaven müssen sich dem Meister unterordnen, auch wenn dieser sie schlägt und missbraucht (2,18-25). Und nun in Kapitel 3,1-6 gelte dasselbe für die Frauen mit einem Mann, der sie missbraucht.
Was Vater Augustin den geschlagenen Frauen rät, ist nach heutigem Wissen unbrauchbar. Unterordnung und Schweigen hilft einem Missbraucher nicht, aufzuhören, im Gegenteil es verstärkt die Spirale der Gewalt und bringt Frauen und ihre Kinder nur noch in grössere Gefahr. Frauen, die verbalen, emotionalen und körperlichen Missbrauch erleben, hat man in der Vergangenheit, basierend auf 1. Petrus 3 gesagt, dass Gott ihre Geduld ehrt, und dass ihr Leiden dazu führen wird, dass sie einmal erlöst werden, und dass dann vielleicht auch der Mann noch zum Glauben kommen wird.
Nicht alles, wie man 1. Petrus 3,1-6 in der Vergangenheit interpretiert hatte, war falsch. Ja, dieser Text ist an Frauen gerichtet, die in möglicherweise in missbräuchlichen Ehen waren, und ihnen wird gesagt, dass sie sich ihren Ehemännern unterordnen sollen. Und diejenigen, die das gepredigt haben, taten das aus Respekt vor der Autorität der Bibel.
Und trotzdem war die Interpretation in der Kirchengeschichte gefährlich. Aus Umfragen weiss man, dass auch in den Kirchen Menschen sitzen, die auch schon persönlich Missbrauch erlebt haben, sei es physisch oder verbal. Wenn wir also gemeinsam heute 1. Petrus 3,1-6 lesen, dann dürfen wir nicht vergessen, dass dieser leider schon zu oft dafür benutzt wurde, häusliche Gewalt zurechtfertigen.
Die Autorität von 1. Petrus 3,1-6
Es gibt drei mögliche Reaktionen auf diesen Text und seine Autorität.
1) Wir nehmen den Text direkt so wie es steht und weisen Frauen an, sie sollen sich Ehemännern unterordnen, auch wenn sie geschlagen oder missbraucht werden
2) Wir lehnen die Autorität vom 1. Petrus 3,1-6 ab, damit Frauen nicht mehr zu Opfern werden und auch nicht an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden, oder
3) Wir nehmen den Text und interpretieren ihn auf eine gesunde Art, so dass er uns ermächtigt, Frauen aus Ehen rauszunehmen, wo Missbrauch geschieht.
Die erste Variante ist eigentlich diejenige, die in der Kirchengeschichte angewendet wurde, und es gibt heute noch Kirchen, die das so leben. Frauen werden angewiesen, sich gewalttätigen Ehemännern unterzuordnen, den Missbrauch auszuhalten und bei ihren Männern zu bleiben – komme, was da wolle. Habe ein Buch aus dem Jahr 1996 gefunden, das z.B. basierend auf diesem Text sagt, eine Frau soll das geniessen, was ihr Mann geniesst, auch wenn das, was er von ihr verlangt, für sie eklig ist. Solange er nicht verlangt, dass sie den Glauben an Christus aufgibt, oder dass sie z.B. sexuelle Unzucht treiben soll, solange soll sie mit dem Mann mitmachen, und zwar willig und mit Respekt. Das sei Gott wohlgefällig.
Eine solche Auslegung ist mehr als problematisch, und angesichts der Tatsache, dass es häusliche Gewalt auch wirklich gibt, auch gefährlich. Das erste Problem ist, dass diese Art der Auslegung gegen das geht, was die Bibel sonst über Machtgefälle sagt. Zum Beispiel werden die Israeliten angewiesen einen Sklaven nach 7 Jahren freizulassen, wenn er oder sie das möchte (Deut 15,12-18). Der Lohn des Tagelöhners ist geschützt. Bei der Todesstrafe sollen die Kinder nicht mitgetötet werden. Die Fremden und Waisen sollen ihr Recht zugesprochen erhalten, beim Ernten soll etwas zurückgelassen werden für die Armen (Deut 24,14-20). Gott setzt sich immer wieder für die Armen ein (Jes 3,13-15). Jesus erzählt auch das Gleichnis vom Knecht, der von seinem König die Schuld erlassen bekam, und dann aber gegen einen, der ihm etwas schuldig war übermässig hart vorging. Jesus sagt dann, wir können nicht Vergebung von Gott erhalten und denen die uns gegenüber schuldig werden nicht vergeben (Matt 18,23-35). Im Jakobusbrief lesen wir, dass Christen sich für den Schutz von Witwen und Waisen einsetzten sollen (Jak 1,27). Es kann doch nicht sein, dass Gott sich in all diesen Beispielen für die Schwachen der Gesellschaft einsetzt, dann aber nicht für Frauen, welche von ihrem Männern Missbrauch erleben. Das wäre doch ein Missbrauch der Bibel!
Eine zweite mögliche Anwendung für die problematische Autorität von 1. Petrus 3,1-6 ist, den Text einfach auszulassen. Man muss diesen Text nicht predigen. In der Vorbereitung habe ich eine Auslegung gefunden, die sagt, dass wenn eine christliche Frau sich ihrem nicht-christlichen Mann unterordnet, dann akzeptiert sie defacto den Gott ihres Mannes – und das geht doch nicht. Eine Frau, die bei uns Schutz sucht, können wir doch nicht einfach wieder zu ihrem gewalttätigen Mann zurücksenden, und ihr sagen, Gott ist in deinem Leiden mit dir. Diese Art der Auslegung sagt, wenn wir 1. Pet 3,1-6 so anwenden, ist doch Götzendienst! Wir sollen uns mit Frauen, die von ihrem Mann unterdrückt werden, zusammentun und überlegen, wie sie wieder frei werden kann, und sich wieder am Leben freuen kann.
Man könnte jetzt sagen, das ist doch ein guter Ansatz, oder? Aber eben, das Problem ist, dass wir damit die Autorität der Bibel nicht ernstnehmen – und die Frage wäre dann, welche Bibelstellen nehmen wir ernst, und welche nicht?
Autorität der Bibel, Ethik und Dorfleben
Wir wollen heute morgen 1. Petrus 3,1-6 so lesen, dass wir die Bibel als Gottes Wort lesen und gleichzeitig auch den geschichtlichen Kontext von damals ernstnehmen. Und, wir werden auch die Situation von Frauen, die Missbrauch erleben, ernstnehmen.
Zuerst einmal schreibt Petrus in seinem Brief an Christen in Kleinasien in einem Umfeld geprägt von Heiden, nicht-Christen, und da können wir davon ausgehen, dass einige von ihnen in heidnischen Haushalten leben. Für die Regierung, fürs Dorf und für die Familien sind sie eine Gefahr. Wenn eine Frau keine wohlhabenden Verwandten hat, die sie unterstützen, und sich für sie einsetzen, dann hatte sie wenig bis keine Chance der häuslichen Gewalt zu entkommen.
Deshalb sagt Petrus ihnen in Kapitel 2,11-12:
Meine Geliebten, ich ermahne euch als Fremdlinge in fremdem Land: Haltet euch fern von den sinnlichen Begierden, die gegen die Seele zum Kampf rüsten! Führt ein wohlgefälliges Leben unter den Völkern, damit sie, während sie euch als Übeltäter schmähen, durch eure guten Taten zur Erkenntnis kommen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung. (1. Pet 2,11-12)
Mit vorbildlichem Verhalten sollen die heidnischen Ehemänner und Dorfgemeinschaft überzeugt werden, dass Christen keine Gefahr sind. Vielleicht wird auch darum den Frauen gesagt, sie sollen sich trotz Gewalt unterordnen, so wie Christus es tat, damit, wenn sie von ihren Männern missbraucht werden, in Christus Trost und Stärke finden.
Dazu kommt, dass wir nicht nur den Text, sondern auch den Kontext erstnehmen müssen. Der Brief ist nämlich an die Christen in einer bestimmten Situation geschrieben, und da können wir nicht einfach 1:1 für den Kontext in der Schweiz 2026 nehmen. Christen sind in der Schweiz keine Bedrohung für Familien oder die nationale Sicherheit. Wenn die Situation der Frauen in 1. Petrus 3,1-6 mit der Situation von Sklaven verglichen wird, merkt man, dass die Situation der Schweiz eine andere ist. Wenn wir dann auf Grund von 1. Petrus 3,1-6 den Frauen sagen, sie müssen sich Männern, die sie missbrauchen, unterordnen, dann ist das eine falsche Anwendung der Bibel.
Aber was wäre jetzt, wenn es keine Gesetze gegen häusliche Gewalt gäbe? Was wenn Christen in einer Gesellschaft als subversiv und gefährlich betrachtet werden, und von den Männern erwartet werden würde, dass sie ihre Frauen mit Gewalt dazu bringen, sich unterzuordnen? Was wenn eine Frau in einem solchen Umfeld zum Glauben kommen würde? Aus der Perspektive eines sicheren Landes, macht es mir Mühe zu sagen, dass eine Frau in diesem Umfeld sich der Gewalt des Mannes unterordnen muss, einfach weil das damals in der Zeit vom 1. Petrus so war. Da würde es doch sicher von internationalen Organisationen wie z.B. Aktion für verfolgte Christen, Hilfe geben. Doch dann würde es die Frau trotzdem stärken, wenn sie wüsste, dass ihre Situation ähnlich ist, wie das, was Christus erlebte – würde sie dadurch nicht gestärkt und bekräftigt werden? In einer solchen Situation würde vielleicht 1. Petrus 3,1-6 Hoffnung vermitteln.
Der Kontext ist also ein Faktor, der diesen Text ausgleicht. Doch wir müssen daneben auch noch genau anschauen, wo der Text im 1. Petrus genau platziert ist.
Zuerst gibt Petrus in 2,11-17 Anweisungen an die ganze Gemeinde, dann kommen Anweisungen an Sklaven und Frauen, 2,18-3,6. Und dann sind die Sklaven und Frauen wiederum ein Vorbild für die Gemeinde für ihre Unterordnung gegenüber Christus und ihrem Leiden wie Christus. Besonders für die Frauen ist wichtig, dass einige ungehorsame Männer gerichtet werden – doch die Frau gehört zur Familie Gottes und Gott wird auch sie retten (4,17-19). Die Hoffnung ist aber, dass einige Frauen ihre Männer für Christus gewinnen werden. Sie ist also eine Zeugin für die Gute Nachricht (auch wenn ohne Worte), gleichgestellt mit allen anderen (siehe 2,12). Ihr Goldschmuck ist zwar vergänglich, aber ihr Glaube nicht (1,7). Und genau so ist es mit der Anweisung an alle Christen (2,15; 3,17). Dann kommt noch dazu, dass die Furcht im 1. Petrus zuerst einmal eine Furcht Gottes ist (1,17; 2,17). Die Leser sollen nicht Angst haben vor dem Leiden für Christus (3,14) und zwei Verse später, ein Christ kann seine Hoffnung zeigen, in dem er freundlich und gottesfürchtig ist. Wenn man diese Zusammenhänge genau anschaut, dann zeigt das, dass die Frau wie auch die Sklaven den gläubigen Männern gegenüber gleichgestellt sind. Sie alle werden aufgerufen Gutes zu tun, für Christus Zeugnis abzulegen, in Leiden und in Hoffnung.
Diese Gleichstellung spürt man auch in 1. Pet 3,7, der eigentlich 3,1-6 widerspricht.
Ebenso sollen die Männer verständnisvoll sein im Umgang mit dem schwächeren Geschlecht, dem weiblichen, und die Frauen ehren, denn auch sie haben Anteil an der lebensspendenden Gnade; so wird eurem Gebet nichts im Weg stehen! (V7)
Vers 7 beginnt mit «ebenso», aber anstelle von Unterordnung heisst es «lebt vernünftig mit ihnen zusammen». Das griechische Wort dahinter wird im Neuen Testament nur hier verwendet. In der Septuaginta wird dieses Wort verwendet, wenn die Frau in einer heiklen Situation ist, z.B. Genesis 20,3, als Abimelech Sara in seinen Haushalt aufnimmt, oder in 5. Mose 22,13 und 24,1, wo eine Frau unter dem Hass des Mannes leidet.
Was die Zürcher Bibel mit «seid verständnisvoll im Umgang» übersetzt, kann man auch übersetzen mit «lebt vernünftig mit ihnen zusammen» (LU2017), und das weist auf die heikle Situation der Christinnen damals hin. Petrus weisst die Ehemänner an, sie sollen sich durchs soziale Umfeld und die rechtliche Situation keinen Vorteil verschaffen, sondern «verständnisvoll sein». Die Frauen mögen in diesem kulturellen Umfeld wohl in einer schwächeren Position sein, aber die Männer sollen trotzdem ihre Frau ehren, so wie sie andere Christen ehren. Der Frau die Ehre wegzunehmen, würde dazu führen, dass die Gebete des Ehemannes nicht mehr gehört würden, und weil Jesus bald wiederkommt (4,7) ist das eine ernste Sache. Wenn Jesus bald wiederkommt, dann zählt jedes Gebet. Einerseits sollen sich die Frauen den Männern unterordnen (3,1-6), und andererseits gleicht Vers 7 die Situation der Frauen aus. Darum sind in der Gemeinde Frauen und Männer gleichgestellt.
In Vers 6 gibt es noch etwas anderes, das wir anschauen müssen:
(Die Frauen sollen sich den Männern unterordnen…) wie Sara Abraham gehorchte und ihn ‹Herr› nannte.(V6a)
Sich wie Sara unterordnen… Schon als ich Teenie war, hat ein Prediger in unserer Gemeinde darauf hingewiesen, dass das ein Widerspruch ist. Bei Sara und Abraham war es ja so, dass Abraham Sara gehorchte. Als sie ihm die Sklavin Hagar brachte, damit er mit ihr schlafen könnte, da heisst es, «Er ging ein zu Hagar, und sie wurde schwanger“ (Gen 16,4).
Und dann wird da noch gesagt, dass Sara Abraham «Herr» nannte. Doch wenn man das im Buch Genesis genau anschaut, dann kommt das nur da vor, wo Sara sich über die Ankündigung lustig macht, dass sie in ihrem hohen Alter schwanger werden soll. Im Sinne von «Jetzt, wo mein ‘Herr’ ein alter Mann ist», soll ich noch schwanger werden?!» In diesen zwei Geschichten ist Sara keine unterwürfige Frau, wie uns Vers 6 uns weismachen will. Dann werden da noch die «heiligen Frauen» in Vers 5 erwähnt. Ich glaube man kann sagen, dass keine der grossen Frauen sich unterwürfig ihrem Mann unterordnete. Eva, Rebekka, Lea und Rahel, Tamar in Genesis 38, Hanna, Debora und Yael, alle waren sie starke Frauen.
Wie müssen wir nun den, Hinweis auf Sara verstehen? Möglich, dass das ein Hinweis auf die Geschichte in Genesis 20 ist, wo Abraham vor dem König Abimelech Angst hatte, dem König von Abimelech zu sagen, Sara sei seine Frau. Dort gibt Sara vor, sie sei Abrahams Bruder (Gen 20,5). Wie dem auch sei, ich glaube, dass Sara Abraham «Herr» nannte, war ein Ausdruck von Respekt, und nicht unbedingt ein Hinweis darauf, dass sie sich ihm deshalb unterordnet. Einmal sagt gibt es sogar eine Begebenheit, wo Gott Abraham sagt, er solle Sara gehorchen, als Sara Ismael in Gen 21,12 fortschickt. Wörtlich heisst es dort, «In allem, was Sara sagt, höre auf sie.» Wenn wir schon von Missbrauch reden, dann könnte man da sagen, Sara steht für ihre Familie hin und schützt sie vor Missbrauch.
Die Verbindung mit Sara ist auf jeden Fall noch spannend, denn Petrus sagt den Frauen in Vers 6 «ihr seid Saras Kinder geworden». Wie wir schon gesehen haben, vergleicht Petrus die Gemeinde in Kleinasien immer wieder mit der Geschichte Israels. Er sagt ihnen sogar, dass sie jetzt Teil vom Erbe Israels im Alten Testament werden – und so kommen sie in den Segen von Abraham hinein und können jetzt andere segnen. Die Verbindung mit Sara zeigt, dass auch die Frauen in dieses Erbe und diesen Segen eintreten und so können sich nun «Töchter von Sara» nennen.
Ich stelle mir irgendwie vor, wie Petrus da seinen Brief schreibt, und als er über die Frauen schrieb, da fragte er vielleicht seine Frau. «Hey Schatz, ich schreibe gerade an die Frauen in Kleinasien. Sie haben dort eine schwierige Situation, weil sie mit Nicht-Christen verheiratet sind, und nun schreibe ich ihnen, sie sollen sich ihren Männern unterordnen. Hast du vielleicht eine Idee, was ich dazu sagen soll?» Und ich stelle mir vor, wie seine Frau dann sagte, «Schreib einfach, sie sollen sich wie Sara unterordnen». Und die Idee war dann, dass sie die Geschichten nachlesen würden – so wie wir das heute machen – und merken «Hey, eigentlich gehorchte Abraham Sara! Und hey, sie nannte ihn nur Herr, als sie ihn wegen seinem hohen Alter hochnahm.»
Diese Spannung da im Text macht es dann möglich, denn Text auch anders zu lesen, als so wie er auf der Oberfläche daherkommt. Und das entspricht wieder dem, was wir die Botschaft von 1. Petrus bis jetzt gelesen haben: Christen sollen sich den kulturellen Erwartungen anpassen, und trotzdem heilig leben (siehe 1,1-2, 13-16). Sie sollen Kritik entschärfen, in dem sie sich vorbildlich verhalten, und dabei im Glauben Gutes tun (siehe 2,11-12; 3,13-17).
Die Christen wollen in Kleinasien ein Vorbild sein, und gleichzeitig wollen sie die Gesellschaft verändern.
Gäll, die Frauen im 1. Petrus sind Töchter einer mächtigen und «unterwürfigen» Mutter. Sie sind Miterben der Gnade, und leben gleichzeitig mit Ehemännern, die keine Christen waren. In der Gemeinde aber sind sie gleichgestellt. Sie predigen das Wort, auch ohne Worte. Sie sind zwar wie Sklaven, aber durch diesen Vergleich sind sie auch wieder wie Christus, und so wieder Vorbilder für die Gemeinde, die ihrem Leiden folgen soll. Der Text von 1. Pet 3,1-6 im sozialen Kontext vom traditionellen römischen Haushalt zeigt, egal wie Frauen damals eingeschränkt waren und in ihrem historischen Kontext leiden mussten, sie haben in Gottes grosser Familie einen wichtigen Platz (4,17-19, 5,10).
Schluss
Der Clip der Einleitung ist gut, wenn eine Frau gerne backt, aber allen Frauen das ideal zu vermitteln, es müsse so sein, ist höchst problematisch.
In einer gesunden Ehe ordnen sich Mann und Frau gegenseitig unter, achten und ehren einander – aber deswegen Frauen in ungesunden Ehen zu sagen, sie müssen das auch tun, und dazu noch 1. Pet 3,1-6 beizuziehen, ist ein Missbrauch der Bibel.
Im Text schwingt einiges mit, und wir können nicht einfach Vers 1 nehmen und basierend darauf, ohne auf den Kontext zu achten, den Frauen, die in einer schwierigen Situation sind, vorschreiben was sie zu tun haben.
Eine gesunde Ehe zu führen, basiert auf gegenseitigem Respekt und da gehört auch Starksein dazu.
Die Autorität der Bibel zeigt sich nicht darin, dass sie uns einfache Antworten liefert, sondern darin, dass wir ermutigt werden, mit Jesus zu leben. Und Jesus stellt sich konsequent auf die Seite der Verwundbaren. Jesus ist gegen Gewalt – egal wo, und er entlarvt Missbrauch – egal, wie fromm er daherkommt. Unsere Hoffnung in Jesus ist stärker als Angst.
1. Petrus 3,1-6 ist nicht da, um Frauen klein zu halten, sondern Frauen und Männer sind gemeinsam Miterben der Gnade. Und wo die Gnade regiert, da wird Leiden nicht verlängert, sondern da sind wir stark und suchen neue Wege. Die Frau aus Südamerika ist mir da ein Vorbild. Sie hat am Schluss erkannt, «ich darf stark sein», und war völlig erstaunt, dass dadurch etwas neues möglich wurde – und ihr Mann hat freiwillig mitgemacht. Es geht also nicht darum Frauen zum Schweigen zu bringen, sondern darum, dass wir in der Gemeinde lernen, wie wir einen Unterschied machen können, damit Heilung möglich ist.
Gott sieht uns, er ist gerecht, und gibt denen Würde zurück, denen sie genommen wurde.
