Ein brennendes Herz für Gott

Datum: 17. Mai 2026 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Philipper 3,14

Wo stehen wir im Glauben? Sind wir noch unterwegs, oder bist wir schon stehen geblieben? Paulus schreibt in Philipper 3,14

Ich richte meinen Lauf auf das Ziel aus, um den Siegespreis zu erringen… (Phil 3,14a)

Das Bild ist klar:  Das Leben als Christ ist kein Stillstand – es ist ein Lauf, ein Wettkampf. Es geht um etwas, und da können wir nicht stehenbleiben und gleichzeitig ein Rennen laufen. Beim Hockey würden wir sagen, wenn du gewinnen willst, dann muss der Puck ins Netz, und zwar so viel wie möglich! Paulus braucht das Bild vom Sport für den Glauben.  Wir können unser Leben als Christ nicht im Stehenbleiben laufen. Beim Hockey, da gibt es nur einen Weg, und der ist vorwärts aufs Goal!

Auf den Glauben übertragen: Wir können nicht bequem sein und gleichzeitig im Glauben wachsen. Den Glauben zu leben, bedeutet Bewegung, bedeutet Entwicklung. Den Glauben mit Jesus zu leben, bedeutet unseren Weg vorwärtszugehen. Und genau darum geht es heute: Wie bleibt unser Herz auf dem Weg mit Jesus lebendig?

  1. Es geht um unser Herz!

In Sprüche 4,23 steht:

Mehr als auf alles gib acht auf dein Herz, denn aus ihm strömt das Leben.
(Sprüche 4,23)

Habt ihr bemerkt? Es steht nicht, achte zuerst auf dein Verhalten! Nein, es steht, «Gib acht auf dein Herz».

Warum ist das so? Der Vers verrät es; weil unser Herz die Quelle vom Leben ist. So wie wir uns Verhalten so leben wir unser Leben, und das kommt von da innen. Unsere Entscheidungen fangen da drinnen an. Was aus unserem Maul kommt, fängt da drinnen an. Unsere Prioritäten im Leben… beginnen da drinnen. Kurz: Mit unserem Leben zeigen wir, was da drin los ist.

Einmal, als die Pharisäer Jesus testen wollten, da sagte er:

Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir. (Matt 15,8).

Jesus hat mit dem gesagt, wir können gegen aussen alles richtig machen, innerlich aber von Gott weit weg sein.

Und genau das ist der Challenge: Gott interessiert sich nicht nur für das, wie wir uns verhalten – für ihn ist zuerst einmal wichtig, was wir lieben.

  1. Wachstum: Gottes Wirken und unsere Verantwortung

Jetzt könnten wir sagen: «Okay, wenn das Herz so wichtig ist, dann kann Gott das doch einfach verändern, oder?»

Ja, das stimmt. Der Heilige Geist ist in unserem Leben am Wirken. Im 2. Kor 3,18 schreibt Paulus, dass wir «verwandelt werden… von Herrlichkeit zu Herrlichkeit». Und diese Veränderung ist nicht etwas, das wir tun, sondern es ist etwas, dass an uns geschieht – es ist ein Geschenk der Gnade. Darum fügt Paulus in 2. Kor 3,18 noch an, «wie der Herr des Geistes es wirkt».

Wir können die Veränderung, die Gott an uns bewirkt nicht selbst machen. Gott verändert uns. Er wirkt in uns. Sein Geist erneuert unser Herz.

Und doch gibt es einen Teil, wo wir aktiv involviert sind. In 2. Kor 7,1 sagt uns Paulus «Da wir nun diese Verheissungen haben… wollen wir… auf unsere vollkommene Heiligkeit hinwirken in der Furcht Gottes.» (2. Kor 7,1)

Das bedeutet im Glauben zu wachsen ist kein Zufall. Es passiert nicht einfach automatisch. Es ist ein Zusammenspiel zwischen

  • Gott wirkt – und wir reagieren
  • Gott schenkt Gnade – und wir machen etwas daraus.
  1. Verlangen, nicht nur Verhalten

Und da kommen wir zum Kern: Es geht nicht zuerst darum, wie wir leben. Es geht in erster Linie darum, wonach es uns verlangt. Was ist unser tiefstes Verlangen?

Der Beter im Psalm 42 sagt:
Wie der Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott. Meine Seele dürstet nach Gott, ja, nach dem lebendigen Gott. (Ps 42,2-3a NGÜ)

Das ist ein starkes Bild. Ein Hirsch, der Durst hat, sucht nicht gemütlich ein bisschen Wasser. Nein, er sucht verzweifelt nach Wasser, weil er es fürs Überleben braucht.

Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürfen wir uns nach Gott ausstrecken.
Und das ist der Punkt: Wenn unser Herz nach Gott verlangt, dann wird unser Leben früher oder später mitkommen - heisst, früher oder später wird sich das in unserem Leben zeigen.

Illustration
Ich möchte euch das illustrieren. Hier habe ich zwei Gläser.
Erstes Glas mit Wasser drin  Ich gebe Sirup rein… aber rühre nicht um.
Was passiert?  Es sinkt an den Boden vom Glas und versickert.

Das ist unser Leben, wenn es scheinbar verändert wird. Wir gehen in den Gottesdienst. Wir machen bei vielem «Christlichem» mit. Aber das Herz bleibt unverändert.

Zweites Glas mit Wasser  Ich gebe wieder Sirup hinein… und dieses Mal rühre ich um.
Was passiert?

Das ganze Wasser nimmt die Farbe vom Sirup an  Das ist, was passiert, wenn Gott unser Herz verändert. Nicht nur ein Teil wird verändert, nicht nur das Verhalten gegen aussen, sondern das ganze Leben.

--> Kerze!

Und wenn ich jetzt noch diese Kerze anzünde, dann kann man das nicht verstecken. Es gibt Wärme, Licht und verändert die Umgebung.

Gott will nicht nur unser Verhalten gegen aussen verändern.
Er will, dass unser Herz für ihn brennt!

  1. Wie entsteht ein brennendes Herz?

Jetzt wird es praktisch. Wie fängt unser Herz Feuer für Gott?

Schritt 1
Zuerst einmal können wir unser Herz prüfen, und das ehrlich. Gehe nächste Woche in die Stille und frage dich:

  • Was begeistert mich wirklich?
  • Wo für nehme ich mir Zeit?
  • Was ist das, was meine Gedanken bewegt?

Es gibt nicht darum, dass wir uns danach schlecht fühlen. Wir wollen aber ehrlich sein, damit wir erkennen, wo wir stehen.

Schritt 2
Es gibt ein altes Sprichwort: «Womit du deinen Kopf füllst, dafür brennt dein Herz.»
Achte nächste Woche mal darauf, mit was du deinen Kopf füllst.

Wenn du dich ständig mit Dingen füllst, die nichts mit Gott zu tun haben, dann wird dein Herz vielleicht Mühe haben, für Gott zu brennen.

Aber wenn du deinen Kopf mit Gottes Wort füllst, mit Wahrheiten der Bibel, mit den Worten von Jesus… dann kann bei uns etwas zu wachsen anfangen.

Schritt 3
In dieser Predigtserie möchten wir zusammen anschauen, was das Gebet für ein Reichtum ist. Nächste Woche wird Markus uns ins Hören auf Gott reinnehmen. Er hatte mit einigen von uns einen Workshop zur Lectio Divina gemacht und da geht es im ersten Schritt ums Hören auf Gott. Danach werde ich in der Woche darauf aufzeigen, wie wir über die Bibel nachsinnen können, und so weiter. Wir wollen in dieser Serie die Grundlage für die nächsten Gebetsworkshops legen. Nach den Sommerferien wird Markus wieder einen Lectio Divina anbieten und im Januar werden wir an zwei Wochenende «hörendes Gebet» üben.

Wir haben gemerkt, dass wir als Gemeinde noch kein Fundament dafür haben, und deshalb diese Predigtserie.

Ja, mit Gott-unterwegs-sein geschieht nicht dadurch, dass wir ein Pflichtprogramm abspulen. Um im Glauben vorwärtszukommen, brauchen wir geistliche Nahrung.

Und wie geht das, wenn wir im Alltag Hunger haben? Wie ist das, wenn meine Teenies hungrig nach Hause kommen? Dann muss etwas auf den Tisch! Genauso ist es im Glauben. Wenn wir einen Hunger nach Gott haben, dann brauchen wir geistliche Nahrung, weil wir weiterkommen möchten.

Schritt 4
Warte nicht darauf, bis alles stimmt. Ich bin im Gespräch mit vielen Menschen, und höre oft, «Wenn ich mich dann endlich mal gut fühle, dann werde ich...» Aus Erfahrung weiss ich, so funktioniert das nicht.

Ein Feuer beginnt mit einem Funken, springt auf etwas kleines Brennbares und entzündet sich von dort, d.h. es beginnt mit kleinen Schritten. Vom Anfeuerholz geht es über aufs grössere Holz, bis es wirklich «on fire» ist.

Damit der Funken springen kann, braucht es vielleicht mehrere Anläufe, und wenn wir etwas gefunden haben, das funktioniert, dann dürfen wir das immer wieder tun.

Und dann braucht es treues Dranbleiben. Es hört nicht auf, sondern muss genährt werden, damit das Feuer weiterbrennt.

  1. Ziel: Jesus ähnlicher werden

Am Schluss geht es um ein Ziel. Gell, das Internet ist voll mit 10 Schritten zu einem besseren Leben. Aber das ist nicht, um was es geht. Wir wollen nicht einfach «ein bisschen besser werden».

  1. Kor 5,17 bringt es auf den Punkt: «Wenn also jemand in Christus ist, dann ist das neue Schöpfung.“

Unser Ziel ist das neue Leben, das wir von Gott durch Jesus geschenkt bekommen, und das wollen wir erleben.

Damit das möglich wird, dürfen wir lernen, das alte Leben zurückzustecken. Johannes der Täufer hat es so formuliert: «Er muss zunehmen, ich aber abnehmen“ (Joh 3,30).

Das bedeutet, weniger von mir, mehr von Christus. Und das geschieht nur, wenn unser Herz verändert wird.

Schluss

Jetzt am Schluss von dieser Predigt möchte ich zurück zur Frage, die ich am Anfang gestellt habe:

Bist du im Glauben unterwegs – oder stehst du still?

Gott sucht nicht perfekte Menschen. Gott sucht keine perfekten Leistungen.

--> Gott sucht Herzen, die hungrig sind, Herzen, die suchen, und Herzen, die brennen.

Auch ein kaltes Herz kann fromm sein, doch was Jesus freut, ist ein Herz, das brennt.

Einleitung zum Abendmahl
Wir werden nun zusammen das Abendmahl feiern. Und wie ist das beim Abendmahl?
Ist das nur für die Perfekten, diejenigen, die schon alles «im Sack haben»? Nein! Das Abendmahl ist eine Einladung von Jesus an Menschen, die ihn brauchen. Das Abendmahl ist eine Einladung an Menschen, die Hunger haben. Eine Einladung für die, welche sagen, «Herr, ich möchte, dass mein Herz wieder für dich brennt.»

Am Tisch von Jesus erinnern wir uns daran, wie sehr er uns liebt. Das Brot erinnert uns daran, dass er sein Leben für uns gegeben hat. Der Kelch erinnert uns daran, dass er sein Blut für uns vergossen hat. Jesus hat alles gegeben, damit wir ein neues Leben haben können.

Vielleicht hast du bemerkt, «mein Herz ist müde geworden! Mein Feuer hat nachgelassen.» Dann bist du herzlich eingeladen, genauso zu Jesus zu kommen. Das Abendmahl ist für die, wo ihn brauchen.

Wenn wir jetzt dann zusammen das Abendmahl feiern, dann dürfen wir unser Herz neu auf Jesus ausrichten. Wir dürfen ihm danken, für das was er für uns getan hat. Wir dürfen ihm unser Leben neu übergeben, und sagen, «Herr, zünde du das Feuer der Liebe in mich nochmals an.»

Jesus sagt «Ich bin das Brot des Lebens» (Joh 6,35) und jedes Mal, wenn wir wieder Hunger haben, dürfen wir zu ihm kommen.

Gebet,

Herr Jesus, entfach unser Herz neu für dich.
Dort wo wir kalt geworden sind, mach uns wieder lebendig.
Dort wo wir abgelenkt sind – von was auch immer – richte uns neu auf dich aus.
Und hilf uns, unserem Herz achtzugeben,
damit unser Leben dich widerspiegelt.
Amen.

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