Herz Christi in Aktion

Datum: 29. März 2026 | Prediger/in:
Serie: | Bibeltext: Matthäus 14,14

Letzte Woche haben wir in das Herz Christi hineingeschaut und zu unserem erstaunend entdeckt, dass Jesus in seinem Herz «sanft und demütig» ist, und heute wollen wir schauen, wie sich das, was da in seinem Herzen drin ist, in seinem Leben nach Aussen gezeigt hatte. Wie Jesus leibt und lebt. Er kann nicht anders. In seinem Leben erkennen wir sein Herz… und dieses Herz ist aktiv und zeigt sich nach aussen.

Einmal kam ein Aussätziger zu Jesus und sagte ihm, «Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen!“ (Matt 8,2-3) Jesus streckte seine Hand aus, berührte ihn und sprach: „Ich will es, sei rein!“ Beide, der Aussätzige und Jesus „wollen“, beide haben denselben Wunsch und das gleiche Verlangen. Der Aussätzige fragte nach dem tiefsten Verlangen von Jesus. Und Jesus zeigt sein tiefstes Verlangen und heilt ihn. Als der Aussätzige zu Jesus kommt, da kommt ihm das Herz von Jesus entgegen. Noch bevor die Hand sich bewegt, erkennen wir das Herz Jesu.

Ein anderes Mal bringt eine Gruppe von Männern einen gelähmten Mann zu Jesus, und der kann kaum warten, was sie von ihm wollen. „Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Sei getrost, Kind, dir sind die Sünden vergeben.“ (Matt 9,2) Noch bevor die Kollegen von dem Mann etwas sagen können, erkennen wir das Herz Jesu. Jesus kann nicht anders. Sein Herz ist schneller als unsere Worte.

Als Jesus umherzog durch Städte und Dörfer, „Als er die vielen Menschen sah, taten sie ihm leid, denn sie waren erschöpft und schutzlos,“ (Matt 9,36). Und so lehrte er sie und heilte ihre Krankheit (Matt 9,35). Nur schon die Situation der Menschen zu sehen, löst bei Jesus Mitgefühl aus. Jesus macht nicht zuerst eine sorgfältige Analyse, sondern er bringt etwas in Bewegung.

Mitgefühl kommt im Leben von Jesus immer wieder vor, und treibt ihn an, die Menschen zu heilen. Zum Beispiel in Matt 14,14: „Da hatte er Mitleid mit ihnen, und er heilte die Kranken unter ihnen.“ Oder er gab ihnen zu Essen. Matthäus 15,32: „Das Volk tut mir leid, denn drei Tage sind sie schon bei mir und haben nichts zu essen.» Und dann heisst es «Und er fing an, sie vieles zu lehren,» Mk 6,34. Oder dann wischte er ihre Tränen ab. Lukas 7,13: «Und als der Herr sie sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!» Wenn man im Altertum das griechische Wort «Mitleid» gebrauchte, dann wollte man damit zeigen, was aus dem tiefsten Innersten aus dem Menschen kam.[1] Das Mitgefühl zeigt uns das Herz von Christus.

Zwei Mal in den Evangelien kamen Jesus die Tränen. Und in beiden Fällen waren es nicht seine eigenen Sorgen und Schmerzen, die ihn weinen liessen, sondern die Trauer über Andere – einmal über Jerusalem (Lk 19,41) und ein anderes Mal über seinen Freund Lazarus (Joh 11,35). Was war sein tiefster Schmerz? Der Schmerz von Anderen. Was brachte sein Herz dazu, Tränen zu zeigen? Die Tränen der anderen.

Mitgefühl ist kein Zusatz – es ist der Herzschlag von Jesus. Immer und immer wieder waren es die moralisch am Boden waren, die Ausgestossenen, und diejenigen, die es nicht verdient hatten – genau zu denen war Jesus hingezogen. Er war in seiner Natur, ein “Freund der Sünder” zu sein (Lk 7,34). Man könnte sagen, Mitgefühl war sein Herzschlag.

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Gäll, ich habe letztes Mal gesagt, dass das Herz von Jesus der Kern vom Neuen Testament ist. Und jetzt habe ich euch gezeigt, was aus dem Herz Christi herausfliesst. Frage: Stimmt das? Ist das Herz Christi wirklich der Kern vom Neuen Testament?

Ich meine im Matthäus Evangelium ist es wichtig zu zeigen, dass Jesus die Erfüllung der Hoffnung vom Alten Testament ist (Matt 5,17). Oder im Lukas ist ein wichtiger Aspekt, dass Jesus Gottes Sohn ist, und das bringt dann Petrus dazu, vor Jesus auf die Knie zu gehen, weil er merkt, dass er gegenüber der Heiligkeit von Jesus ein Sünder ist (Lk 5,8). Oder im Markus Evangelium ist ein wichtiger Aspekt, dass Jesus ein grosser Lehrer war, der die Schriftgelehrten überbieten konnte (Mk 1,22). Gäll, ich möchte von alle dem nichts wegnehmen – das gehört zum traditionellen Glauben. Und doch glaube ich, was uns aus dem Neuen Testament am meisten hängen bleibt, ist, dass Jesus, der heilige Sohn Gottes auf Menschen zugeht, dass er sie berührt, umarmt und ihnen vergibt. Gerade die Menschen, die es am wenigsten verdient hätten – und es aber auch am meisten brauchen.

Das ist jetzt kein neuer Hype. Eine Quelle aus dem 17. Jahrhundert beschrieb es so:

«Als Christus das Volk im Elend sah, da hatte er in seinen Eingeweiden ein Verlangen. Die Werke der Gnade und Barmherzigkeit in Christus kommen zuerst aus seinem Bauch (Magen).» Das heisst, «Was auch immer Christus tat… er tat es aus Liebe, Gnade und Barmherzigkeit», und dann geht er noch einen Schritt weiter – «er tat es aus seinem tiefsten Inneren heraus.» Den Jesus, den wir in den Evangelien finden, ist nicht einfach einer, der liebt, er ist Liebe; barmherziges Wohlwollen strömt von tief aus seinem Herzen, wie Sonnenstrahlen.

Jetzt gibt es sicher solche die sagen, aber das ist doch einseitig! Das Herz Christi ist doch nicht der Kern vom Evangelium?! Ich meine Halbwahrheiten, getarnt als Wahrheit, sind immer noch Unwahrheiten!?

Das ist ein heikler Punkt, wenn wir über die biblische Offenbarung von Christus reden. Gäll, die Irrlehren in der Kirchengeschichte waren nicht zu 100% falsch, sondern es waren Halbwahrheiten.

Deshalb möchte ich jetzt in den Raum stellen: Ist das Herz Jesu wirklich so wichtig? Wäre es nicht wichtiger darauf zu fokussieren, was Jesus tat, so wie ich das vorhin aufgelistet hatte? Brauchen wir das Herz Jesu wirklich? Gell, mir fällt auf, dass heute vieles herzlicher geworden ist. Wir senden einander gerne mal ein Herz Emoji über Whatsapp, auch wenn wir keine «Liebesbeziehung» mit einer Person haben. Als ich nach 10 Jahren Kanada in die Schweiz zurückkam, fiel mir auf, dass heute viel die Anschrift «Lieber so und so» wählen, wo man früher einfach «Hallo so und so» schrieb. Oder auch die Emoji Kultur, da werden vielmehr Emotionen gezeigt, was wieder auf der Herzensebene redet.

Jetzt kann man fragen, «Stefan, müssen wir jetzt auch noch das Herz von Jesus anschauen?» Es reicht, doch, dass wir seine Taten anschauen. Doch eben auf die Idee dieser Predigt bin ich über Thomas Goodwin gekommen, der das Buch «Das Herz Christi» 1651 veröffentlichte, und dieses wurde erst kürzlich 2021 wieder neu aufgelegt, was zeigt, da ist wieder ein Interesse nach diesem Thema vorhanden.

Deshalb wollte ich das Herz Jesu mit euch anschauen, weil ich glaube, dass wir das Herz und die Umsetzung brauchen. Wenn wir den Glauben nur umsetzen, aber nicht am Herz von Jesus dran sind, dann fehlt uns etwas. Gäll, die einen haben wahrscheinlich damit kein Problem, aber es gibt sicher jene die sagen, jetzt müssen wir auch noch eine Bibel mit emotionalen Emojis haben?! Gib mir das Gesetz und die Regeln und ich halte mich daran, frage mich nicht auch noch nach meiner Motivation und meinem Herz!!

Doch ich glaube, es geht bei diesem Thema schliesslich auch um die Liebe Gottes, die uns im Herz Christi begegnet. Doch wie stellen wir sicher, dass wir nicht das eine auf Kosten des anderen betonen?

Ich glaube (erstens), dass sich die Motivation und die Tat nicht widersprechen – wie bei einer Wippe. Wenn die Emotionen hochgehen, dann drücken wir die Taten herunter, und wenn wir die Umsetzung betonen, dann drücken wir das Herz hinunter. Ich glaube wir brauchen beides. Damit ein Flieger fliegt braucht es beides. Wenn wir vorwärts kommen wollen, dann brauchen wir beides. Wenn wir das Herz Christi spüren, dann bewegt uns das zu handeln. Wenn wir die Liebe von Mitmenschen erleben, die mit Jesus unterwegs sind, dann bewegt uns das auch persönlich.

Zweitens, wenn wir uns mit dem Herz von Jesus auseinandersetzen, dann spielen wir nicht Taten gegen das Herz aus. Das Herz Jesu ist sein Herz – Punkt. Wenn wir vom Herz Jesu reden, dann tun wir das nicht um zu vergleichen. Wir fragen uns einfach, wer er in seiner Tiefe ist. Was kommt aus seinem tiefen Inneren, ganz natürlich?

Drittens, wir folgen dem, wo die Evangelien uns über das Herz Christi und seiner Zuneigung gegen über Sündern und Leidenden sagen.

Kurz zusammengefasst: Es ist unmöglich, das liebevolle Herz Christi aufzublasen oder überzubewerten. Wir können das Herz von Jesus nicht zu fest aufblasen, aber wir können es sehr gut in eine Ecke stellen und vergessen – oder wir nehmen daraus zu wenig Stärke.

Wenn wir anschauen, wie Jesus gehandelt hatte, und was er darüber sagt, wer er tief drinnen ist, dann schleckt keine Gais weg, dass er kam, um uns aus dem Loch zu holen, in das wir seit dem Sündenfall gefallen sind. Er will uns aus diesem Loch holen, und das ist es, was ihn anzog.

Ich glaube, das geht tiefer als zu sagen, ob Jesus barmherzig oder gnädig war. Als Jesus auf diese Welt kam, da sehen wir immer und immer wieder, wie Jesus die gefallene Welt um ihn herum wahrnimmt, und wie sein Herz ihn schon fast instinktiv dazu bewegt auf Sünde und Leiden zuzugehen, anstatt sich davon abzuwenden.

Anwendung
Jetzt was nehmen wir aus dem heute mit?

1. Erkennen, wie Jesus mich annimmt

Nehmen wir noch war, dass es in unserem Leben manchmal Situationen gibt, wo wir nicht so handeln, wie wir es einem Leben mit Jesus entspricht? Spüren wir das noch? Oder sind wir im Glauben schon so abgebrüht, dass uns das kalt lässt?

Ich erlebte vor einigen Wochen eine Situation, wo ich mich nachher zutiefst dafür geschämt hatte. Wie konnte mir nur so etwas passieren? Das hat mich dann noch lange bewegt. In meiner Friedensbau Kleingruppe, da ermutigen wir uns gegenseitig, ehrlich zu sein, und zu fragen, wo sind wir vielleicht vom Kurs abgekommen. Wo haben wir uns nicht so verhalten, wie wir das hätten sollen?

Ich ging dann mit Jesus ins Gespräch darüber. Und ich war erstaunt, er hat mich deswegen nicht abgelehnt, sondern er hat mir gesagt «Ich liebe dich trotzdem»! Ich glaube so ist Jesus, er nimmt uns an, auch wenn wir auf die Schnauze fallen, und einen Fehler machen.

Aber die Frage ist, tut es uns noch Leid?

2. Lernen den Herzschlag von Jesus zu spüren

Ich glaube wir können eine Sensibilität für unser eigenes Herz entwickeln.
Wo bewegt sich mein Herz? Wo werden wir innerlich berührt?
Das kann ein Hinweis sein, wo dich Jesus brauchen möchte.
Einfach nur etwas aus Pflicht etwas tun, ist gut, aber ich glaube es ist am wirksamsten, wenn wir unseren Herzschlag spüren, und den dann gegen aussen zeigen.

3. Gehe gegen deinen natürlichen Reflex

Wenn wir wirklich mit Jesus unterwegs sein wollen, dann dürfen wir auch mal etwas tun, was uns gegen den Strich geht. Wir sind schnell mit urteilen und verurteilen. Doch die Frage ist, wo bewegt sich Jesu Herz hin?

Vielleicht gehst du diese Woche mal auf jemanden zu, der dir eher Mühe macht. Das tut gut, denn dort kann etwas Neues entstehen. Gottes Geist wirkt.

4. Handle, wenn dein Herz bewegt wird

Gäll, das Herz verbinden wir heute mit Emotionen. Doch in der Bibel ist das Herz der Ort der Motivation. Wenn wir beim Herz von Jesus Geborgenheit erleben, dann ist das wichtig und tut uns gut. Doch was wir bei Jesus gesehen haben, er handelt auch. Mitgefühl ohne Handlung ist nur die Hälfte vom Herz Jesu. Es braucht auch handeln, damit wir im Leben (Flieger) weiterkommen.

Praktisch kann das so aussehen, dass wir jemandem schreiben, und fragen, wie es geht. Vielleicht besuchen wir jemanden, oder helfen jemandem, auch wenn es unbequem ist.

5. Bleiben wir nahe bei Jesus, weil dann verändert sich unser Herz.

Wenn wir mit Jesus unterwegs sind, dann verändern wir uns. Unseren Herzschlag können wir nicht produzieren. Aber wir können uns immer wieder Zeit nehmen, im Gebet mit Jesus zu sprechen, und auf ihn zu hören. Und wenn wir das tun, dann prägt er uns.

Schluss
Das Herz von Jesus ist nicht passiv. Es bewegt uns, und es zeigt sich nach aussen.
Jesus bewegt sich auf uns zu – zu dir und mir. Zu Menschen, die scheitern und Fehler machen.

Doch wenn wir nahe bei ihm bleiben, dann fängt unser Herz an, den Herzschlag von Jesus aufzunehmen.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Es geht nicht nur darum, nahe am Herz Jesu zu sein, sondern es geht am Schluss sogar darum, dass er in uns wohnen möchte. Wenn wir mit Jesus leben, dann werden wir eins mit ihm, so dass, unsere Körperteile am Schluss das tun, was eigentlich Christus tut (1. Kor 6,15-16).

Und wenn Jesus in uns wohnt, dann ist er uns näher als bei den Sündern und denen die untendurch müssen, mit denen Jesus sprach, und die er heilte. Durch seinen Geist sind wir in sein Herz eingehüllt. Durch den Heiligen Geist sind wir Jesus näher als es je eine physische Umarmung sein könnte.

Möge sein Herz immer mehr zu unserem werden, und uns bewegen, weil heute sind wir ja seinen Leib.

[1] Wuest, K. S. (1997). Wuest’s Word Studies from the Greek New Testament: for the English reader, Eerdmans, Vol 21, S. 45

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